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Res medica, res publica

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Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Der letzte Augenarzt von Hamborn

Montag, 23. Februar 2015

Er saß nicht mit am Tisch bei Günther Jauch, als dessen Gäste über die Wartezeiten auf Facharzttermine diskutierten. Dennoch hinterließ Dr. Rolf-Dieter Rössler, in einem Filmbeitrag vorgestellt als der letzte Augenarzt für die 70.000 Einwohner von Duisburg-Hamborn, einen nachhaltigen Eindruck. Ihm wünschten seine Patienten gute Gesundheit, auf dass er noch lange für sie da sei; seine Angestellten erhielten Lob für eine gute Praxisorganisation und eine flexible Terminvergabe ohne lange Wartezeiten.

Rössler ist Anfang 60. Ob Ärzte in einem Arbeiterviertel wie Hamborn überhaupt Nachfolger finden werden, war eine der Fragen, die bei Günther Jauch diskutiert wurden. Was blieb aus einer erstaunlich sachlichen Diskussion für den unvoreingenommenen Zuschauer als Fazit?

Eine gute medizinische Versorgung wird in Zeiten von Ärztemangel und Landflucht keine Selbstverständlichkeit sein, lautet eines. Eine zweite Erkenntnis: Die heutige Flatrate-Konstruktion der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung, die zur ungebremsten Inanspruch­nahme einlädt, stellt Niedergelassene und Krankenhäuser vor Probleme, weil Bagatell­fälle die Notfallpraxen und –ambulanzen verstopfen. Manche Zuschauer fragten sich vielleicht auch: War mein letzter Arztbesuch wirklich nötig?

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Das Beispiel Hamborn sollte die problematische regionale Verteilung der Vertragsärzte illustrieren. Die Gründe für solche Unterversorgung kamen nicht zur Sprache, wohl aber, dass es problematisch ist, allein aufgrund von Arzt-Einwohner-Relationen Überversor­gung festzustellen. Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), wies auf die Regionen mit schrumpfender Bevölkerungszahl hin. Seine Botschaft: Wenn in Orten der Einzelhandel und die Post dicht machen und Schulen geschlossen werden, wäre es eine Illusion zu meinen, alle Ärzte würden bleiben.

Eher pflichtgemäß warb Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) für seine gesetzlichen Maßnahmen, ohne wirkliche Begeisterung auszulösen. Dass die geplanten Terminvermittlungsstellen bei der Kassenärztlichen Vereinigungen die Welt nicht verändern werden, blieb kaum verborgen. Die ambulante ärztliche Versorgung durch Freiberufler stellt niemand ernsthaft infrage.

Wenn aber Praxen gar nicht an zusätzlichen Patienten interessiert sind, liegt in einem freiheitlichen Gesundheitswesen ein Systemfehler vor. Der sollte, bevor man der ambulanten Versorgung noch mehr Planung und mehr Dirigismus aufdrückt, behoben werden: Jeder Patient, der behandelt wird, muss dem Arzt auch Honorar einbringen. Dann wird sich auch für Hamborn ein Augenarzt finden.

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