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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Auszeit angesichts der US-Reformitis

Dienstag, 24. Februar 2015

Wer meinen Blog lange genug gelesen hat beziehungsweise aufmerksam das US-Gesundheitswesen beobachtet, dem ist mittlerweile bewusst geworden, welche großen Veränderungen die Gesundheitsreformen unter Präsident Obama zur Folge haben. Kran­ken­ver­siche­rungspflicht für US-Bürger, Ausweitung der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung Medicaid, Subventionierung der ärmeren aber auch jungen erwachsenen US-Bürger sind nur einige der vielen Veränderungen im US-Gesund­heitswesen.

Es fällt auf, dass all diese Dinge eine deutliche Erhöhung der Gesundheitskosten verursachen und finanziert werden müssen. Tatsächlich wurden Steuern erhöht – wie z.B. die Erhöhung des höchsten Steuersatzes in den USA von 36 auf 39,6% im Jahr 2013 – oder die an Krankenhäuser und Ärzte gezahlten Leistungen gekürzt.

Dadurch sind alle Ärzte unter zunehmenden Druck geraten, sollen effizienter arbeiten, also mehr Patienten in weniger Zeit behandeln, schneller operieren oder zügiger Patienten entlassen. Ob das überhaupt möglich ist, wird zwar diskutiert, aber der finanzielle Druck ist derart stark geworden, dass es scheinbar keine Alternative hierzu gibt oder eben Gehaltskürzungen folgen müssen.

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In dieser Umstellungsphase befindet sich das US-Gesundheitssystem seit knapp drei Jahren. Der Beruf macht mir zwar weiterhin Spaß, aber all die Veränderungen und administrativen Bürden sind manchmal dann doch arg irritierend. Als Folge dessen habe ich im Jahr 2013 von Voll- auf Teilzeit umgestellt, aber meistens derart viele Überstunden auf Bitten der Krankenhäuser gearbeitet, dass ich letztendlich statt auf die vereinbarten 75% auf 120% kam.

Doch über die letzten Jahre ist der administrative Druck immer weiter angestiegen und fast täglich ärgere ich mich über die Vorgaben mehr Patienten in weniger Zeit zu sehen und an diversen mir unsinnig erscheinenden Verwaltungskonferenzen teilzunehmen. Immer neue und sich monatlich ändernde Qualitätsindikatoren werden als Zielvorgaben ausgegeben und allerlei zusätzliches Personal schaut mir mehrmals am Tag auf die Finger um die Implementierung zu gewährleisten.

Einige Kollegen sind in Rente oder Teilzeit gegangen und nun mache ich etwas Ähnliches: Ich habe meine Stelle zum 1. März 2015 gekündigt und werde mir anderthalb Jahre Selbständigkeit erlauben, um an einer Buchidee zu arbeiten und Freizeit für meine Kindern zu haben; auch hoffe ich, dass in diesen anderthalb Jahren das Gesundheits­wesen sich stabilisiert und statt Reformen und neuen Vorgaben alle paar Wochen wieder Stabilität einkehrt.

Ich werde weiterhin arbeiten, doch nun anders, quasi mich auf Tagesbasis als Krankenhausinternist verdingen. Dazu mehr in einem anderen Blogtext.     

                 

Leserkommentare

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Avatar #110852
ediestel
am Montag, 9. März 2015, 00:32

Auszeit :)

'Auszeit' auch bei mir - 'arbeite' derzeit freiwillig als Gastarzt an einem deutschen Krankenhaus mit.
Avatar #669340
Heure bleue
am Montag, 2. März 2015, 12:00

Viel Glück dabei

ich hoffe, dass Sie hier weiterhin berichten werden aus dem US- Medizineralltag. Alles ist sehr informativ und lesenswert. Ob sich allerdings die Verhältnisse in so kurzer Zeit verbessern werden scheint mir fraglich aber vielleicht gehen die Uhren ja schneller dort drüben.
LNS
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