Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Deutschland schnieft

Donnerstag, 5. März 2015

Verkehrsunternehmen müssen Bus- und Straßenbahnlinien streichen, weil zu wenig Fahrer einsatzfähig sind. In Krankenhäusern müssen zeitweise Stationen geschlossen werden, und auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe musste sich am Donnerstag vertreten lassen in der Bundestagsdebatte über sein Versorgungs­stärkungsgesetz. Der Grund: Er hat Grippe (oder einen Virusinfekt).

Die Grippewelle überrollt Deutschland. Schon gibt es eilige Forscher, die den gesamt­wirtschaftlichen Schaden ausrechnen – 2,2 Milliarden Euro unter der Annahme, dass es jeden Fünften und jede Fünfte erwischt und die Betroffenen fünf Tage ausfallen. Ob das Bruttoinlandsprodukt tatsächlich wegen der vielen Atemwegserkrankungen um 0,3 Prozent geringer ausfallen wird, weiß selbstverständlich auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen nicht.

Aber selbstverständlich hat eine ausgeprägte Grippewelle wirtschaftliche Auswirkungen. Der Krankenstand steigt. In den Monaten Februar und März 2014 waren jeweils 4,7 Prozent der Beschäftigten krankgemeldet (nach einer Auswertung der Betriebs­krankenkassen). Das waren, weil es vor einem Jahr keine Grippewelle gab, weniger als im Winter 2012/13. In diesem Jahr dürften wieder deutlich mehr Fehltage zusammen­kommen. 

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Bemerkenswert ist, dass Atemwegserkrankungen aufs Jahr gesehen nur die zweit­wichtigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit darstellen. 16 Prozent der 2013 ausgefallenen Arbeitstage gingen den BKK-Zahlen zufolge auf diese Indikation zurück. Die wirtschaftlich schmerzhafteste Diagnose waren Muskel- und Skeletterkrankungen (25,2 Prozent der Krankmeldungen). Psychische Störungen sind mit 14,7 Prozent die dritthäufigste Ursache. Dazu eine gute Nachricht von der Bundes­psycho­therapeuten­kammer: Nachdem die Zahl der psychisch bedingten Fehltage zuletzt Jahr für Jahr zugenommen hatte, ist sie 2013 nicht weiter gestiegen.

Und wo wird am häufigsten „krankgefeiert“? In der Industrie variiert die Zahl der AU-Tage je Beschäftigten zwischen 14,5 Tagen im Maschinenbau und 18 Tagen in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Im Dienstleistungsgewerbe liegen Arbeitsver­mittlung/Zeit­arbeit und Postdienste gemeinsam an der Spitze (21, 5 und 21,4 Tage). Am seltensten krank sind Beschäftigte von Banken und Versicherungen (11,9 Tage) sowie von Verlagen (10,3 Tage). Was aber (leider) nicht heißt, dass Medienschaffende sich nicht so leicht anstecken, wenn fast alle anderen krank sind.  

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