Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Im Einsatz gegen Ebola

Mittwoch, 8. April 2015

Die neueste Katastrophe auf der Welt ist immer die schlimmste. Diesen falschen Eindruck gewinnt man leicht aus den Medien, die sich immer an der Aktualität ausrichten (müssen). So ist die Ebola-Epidemie in Westafrika längst keine Neuigkeit mehr. Und war nicht auch zuletzt von deutlich weniger Neuinfektionen die Rede?

Mehr als 10 000 Menschen sind in Liberia, Sierra Leone und Guinea seit Anfang 2014 an Ebola gestorben, und besiegt ist die Krankheit immer noch nicht. Von den erkrankten Kindern bis zu vier Jahren starben nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zwischen 80 und 90 Prozent. Kann man da einfach zur Tagesordnung über­gehen? Deshalb ist es gut, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) mit einer Expertendelegation nach Westafrika geflogen sind. Sie wollen sich darüber informieren, was aus der schrecklichen Epidemie zu lernen und die wie den betroffenen Ländern nachhaltig zu helfen ist.

Denn es gab unzweifelhaft Versäumnisse. Manche Behörden in diesen Staaten haben die Epidemie anfangs verharmlost, in internationalen Institutionen und auch in Berlin wurde sie zunächst unterschätzt. Zwar sind schon seit einem Jahr Experten des Robert Koch-Instituts und des Bernhard Nocht-Instituts in der Krisenregion im Einsatz. Aber erst seit dem Herbst 2014 engagiert Deutschland sich in großem Stil. Um in künftigen Fällen schnellere und wirksamere Hilfe sicherzustellen, muss sich auch die WHO kritische Fragen gefallen lassen. Die Bundesregierung will nun vorpreschen und ein Team von Ärzten, Technikern und anderen Spezialisten in Bereitschaft halten, die als Weißhelme in drei bis fünf Tagen vor Ort sein können, wenn irgendwo auf der Welt eine vergleichbare Epidemie ausbrechen sollte.

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Gegen Ebola dürfte in absehbarer Zeit, so ist zumindest zu hoffen, eine wirksame Vorbeugung möglich sein. Zwei von mehreren Impfstoffen, die in der Entwicklung sind, werden in aller Eile in Feldstudien in Afrika getestet. Sie liefern bisher vielversprechende Ergebnisse und haben die Phase I-Tests bestanden. Aber was nützt ein hoffentlich bald vorhandener erprobter Impfstoff, wenn das einzelne Land es nicht schafft, die Menschen zu impfen?

Deshalb ist es gut, dass in dem 200-Millionen-Euro Sonderhilfsprogramm, das Gröhe und Müller angekündigt haben, der Aufbau der Gesundheitssysteme im Vordergrund steht. Hier liegt richtigerweise nicht erst neuerdings ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungshilfe. Das Paradebeispiel ist auch aus Afrika, aber aus dem Osten: In Tansania haben deutsche Experten vor allem durch Beratung der Regierung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beigetragen. Die Kinder - und Säuglingssterblichkeit sei deutlich gesunken ist, gegen viele Krankheiten sei ein Impfschutz auf hohem Niveau erreicht worden, berichtet das Entwicklungsministerium.

Die Partnerländer müssen eigene leistungsfähige Gesundheitsdienste aufbauen. Wie Experten beklagen, gibt es auch Regierungen armer Staaten die die Gesundheits­versorgung zum großen Teil Hilfsorganisationen überlassen. Das kann nicht die Lösung sein.

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