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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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USA: ASS-Boom durch epidemiologische Studien

Montag, 20. April 2015

Mehr als die Hälfte aller älteren US-Amerikaner nimmt regelmäßig Acetylsalicylsäure (ASS) ein. Auslöser sind die regelmäßigen Publikationen von prospektiven Beobach­tungsstudien, die neben einer Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen neuerdings auch eine vorbeugende Wirkung gegen Krebserkrankungen versprechen.

Der Pharmazeut Craig Williams von der Oregon State University in Corvallis hat US-Amerikaner im Alter von 45 bis 75 Jahren befragt, ob sie ASS einnehmen. Dies bejahte mehr als jeder zweite der 2.509 Befragten: 52 Prozent nahmen aktuell regelmäßig ASS ein. Weitere 21 Prozent hatten dies in der Vergangenheit gemacht. Eine Indikation für die präventive Einnahme von ASS lag bei den wenigsten vor.

Nur 470 der Befragten litten an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, wo nach den geltenden Leitlinien die Einnahme von ASS zur Sekundärprävention ratsam sein kann (aber nicht muss). Bei den anderen 2.039 Befragten war die Einnahmefrequenz von ASS mit 47 Prozent kaum geringer. Anlass für die ASS-Selbstmedikation waren Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen, die nach geltenden Leitlinien die Einnahme in der Regel nicht rechtfertigen. Viele der Befragten nahmen ASS ein, weil sie von der positiven Wirkung gehört hatten, noch häufiger folgten sie dem Rat eines Healthcare-Providers, also in der Regel eines Arztes.

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Ein Grund für das positive Image von ASS sind sicherlich die regelmäßig wieder­kehrenden Berichte über prospektive Beobachtungsstudien. In der neuesten Analyse, die Andrew Chan von der Harvard Medical School in Boston jetzt auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research in Philadelphia vorgestellte, kam heraus, dass Erwachsene, die zwei oder mehr Aspirin-Tabletten pro Woche einnehmen, zu fünf Prozent seltener an Krebs erkrankten.

Die Risikominderung war vor allem auf eine 20-prozentige Reduktion in der Häufigkeit von Krebserkrankungen im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen. Hier wirkte sich die bekannte 25-prozentige Reduktion der kolorektalen Karzinome aus. Laut Chan ist die Einnahme außerdem mit einer 14-prozentigen Reduktion von Krebserkrankungen in Magen und Ösophagus assoziiert. Die krebspräventive Wirkung trat erst nach 16 Jahren ASS-Einnahme auf und hielt nach dem Absetzen nur noch vier Jahre an.

Obwohl die Ergebnisse von epidemiologischen Studien seit Jahren auf eine präventive Wirkung hinweisen, dürfte sich an der Zurückhaltung der Fachgremien nichts ändern. Der Grund liegt in den bekannten Blutungsrisiken von ASS, die ebenfalls in erster Linie den Gastrointestinaltrakt betreffen. Eine objektive Risikoabschätzung wäre nur nach Durchführung von randomisierten Studien möglich. Dort stellt sich dann häufig heraus, dass die objektive Risikominderung für den einzelnen Patienten gering ist, während die Risiken mit der Dauer der Anwendung zunehmen.

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