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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Kennt der Krankenhausdirektor sein Personal?

Montag, 29. Juni 2015

Der Krankenhausdirektor bat mich um ein persönliches Gespräch, und ich sagte zu. Diesem war eine Beschwerde von mir vorausgegangen, wobei das Wort „Beschwerde“ den Sachverhalt deshalb unzureichend wiedergibt, weil ich viel mehr ihm eine Nachricht gesandt hatte, in der ich weitere Dienste in der zweiten Hälfte von 2015 abgelehnt und als Grund die Umstrukturierung des Nachtdienstes angegeben hatte.

Denn von nun an sollte ein jeweils nächtlich wechselnder Hausarzt die Nachtaufnahmen und –anrufe erledigen, was aufgrund vorheriger Erfahrungen in kurzen Probephasen bei mir einen sehr schlechten Eindruck mit einigen sehr negativen Patientenverläufen hinterlassen hatte. Als Folge dieser Veränderung stünde ich nicht mehr als Tageshos­pitalist zur Verfügung, so meine Nachricht und somit Anlass des vom Direktor geäußerten Gesprächswunsches.

Denn natürlich traf meine Entscheidung den Direktor ins Mark, denn nicht nur, dass er in mir bisher eine verlässliche und engagierte ärztliche Arbeitskraft gehabt hatte, die etwas mehr als ein Drittel aller Dienste abdeckte und die auch kurzfristig bei Krankheitsfällen eingesprungen war, sondern darüberhinaus war ich knapp 25 Prozent günstiger als die anderen Aushilfsärzte, wie ich durch direktes Nachfragen bei den anderen Kollegen erfahren hatte (und die versucht hatten, mich abzuwerben und aus mir als Alleinunternehmer ein Mitglied ihrer Aushilfsinternistengruppe zu machen). Übrigens kann der Leser für sich selbst entscheiden, welches dieser Gründe wohl schwerer für den Direktor wog, mich zu einem Bleiben zu überzeugen – Kompetenz oder niedrigere Kosten?

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Es fand also das Treffen und ein Gespräch statt, und ich erläuterte meine Sicht der Dinge. Kontinuität, kollegiale Verlässlichkeit bei gleichbleibenden Tages- und Nachtpartnern, therapeutische und diagnostische Diskrepanzen unter den verschiedenen Ärzten und der wohl vorhandene Wunsch des Hausarztes möglichst viel zu schlafen und wenig ins Krankenhaus kommen zu müssen, weil am folgenden Tag er noch Praxistermine habe, waren einige der vielen Argumente, die ich dem Direktor gegenüber geltend machte.

Ich schien auf wenig Einsicht zu treffen und statt einer offenen Diskussion schien es ein Gegeneinander zweier Monologe, wobei seitens des Direktors vor allem Eigenwerbung und plakative Aussagen mir entgegengebracht wurden: Effizienzgewinne durch Verknüpfen ambulanter und stationärer Kräfte, allmähliche Homogenisierung der Nachtärzte nach einer Einlaufphase, Umstrukturierungsnotwendigkeiten zugunsten der Patienten, um ihnen auch im Krankenhaus Kontakt zu ihren Hausärzten zu ermöglichen und so fort.

Als dann der Krankenhausdirektor dann begann, einige Kollegen besonders zu loben und zum Beispiel einen bestimmten Notaufnahmearzt als „absoluten Superstar des Krankenhauses“ zu kennzeichnen, wobei zu erwähnen sei, dass das Pflege- und Ärztepersonal diesen Arzt eher mit Zuschreibungen wie „inkompetent“ und „schlampig“ denn dem Wort „Superstar“ versieht, wurde mir klar, dass der Direktor entweder gar keinen rechten Einblick in die Personalstruktur seines Krankenhauses besaß oder mich einfach nur dreist anlog, in der Hoffnung mich zu blenden. Die Diskussion war nach 30 Minuten vorüber, meine Meinung war unbeirrt geblieben und zum Glück ging mein Krankenhaustelefon auch schon wieder los, mich wieder auf medizinische Gedanken bringend.

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