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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Mehr Eigenwerbung und Gehalt?

Montag, 13. Juli 2015

Es ist nicht jeder zur offensiven Selbstwerbung bestimmt, wenn man jedoch wie ich selbständig tätig ist, dann ist gerade diese Eigenschaft der Selbstvermarktung aber zu einem gewissen Grade notwendig. Wenn ich mit einem Krankenhaus in Verhandlungen über einen möglichen Aushilfsvertrag – das heißt, dass ich auf Stunden- beziehungs­weise Tagesbasis als Krankenhausinternist auszuhelfen gedenke – trete, dann muss ich mich als kompetent, hart arbeitend, gewissenhaft, effizient und mit weiteren für ein Kranken­haus nötigen Attributen darstellen. Ehrlich gessagt fällt mir das schwer, sei das meiner Erziehung und Bildung, meiner Kultur – da Deutsche allgemein die Neigung zur Beschei­denheit („mehr Sein als Schein“) besitzen – oder eben meinem Charakter geschuldet.

Im Anschluss an eine solche Eigenwerbung tritt dann die Gehaltsverhandlung, und hier bin ich mit doppelter „Behinderung“ gegenüber mit weniger Skrupeln beseelten Kollegen gebürdet: Einerseits liegt mir an Geld nicht sonderlich viel und entsprechend kämpfe ich nicht besonders hart um ein höchstes Einkommen, sondern begnüge mich auch mit aus meiner Sicht angemessener Vergütung.

Anderseits habe ich gewisse moralische Bedenken ein allzu hohes Gehalt zu empfangen, weil es ja letztlich irgendwo herkommen muss, also zum Beispiel durch Stellenabbau beziehungsweise das durch meine überzogenen Gehaltsvorstellungen Kosteneinsparungen verursacht werden könnten. Gier führt zu Krisen, wie jüngst in der meiner Meinung nach immer noch nicht ausgestandenen Wirtschaftskrise 2007/2008 allgemein bekannt wurde.

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So passiert es mir also nun seit einiger Zeit, dass sich nach ein paar Wochen in einer Aushilfsstelle die Verwaltung wundert, wie gut ich meine Arbeit mache. Ich bin dann ob dieser Überraschung erstaunt, aber wenn ich meine Selbstwerbung mit denen der Konkurrenz – ich benutze dieses Wort ungerne, denn in meinen Augen sind meine Kollegen nicht Konkurrenz, sondern Menschen des gleichen auf Altruismus basierenden Berufsstandes und somit nicht im Wettbewerb zu mir stehend – vergleiche, und sie sich zum Beispiel ganz unverblümt als „die besten Hospitalisten des Mittleren Westens“ bezeichnen, obwohl mir ihre Arbeitsweise im besten Fall als durch­schnittlich, manchmal gar als schlampig dünkt, dann ist mein Selbstmarketing doch arg stief­mütterlich. Ver­gleiche ich dann noch das mir gezahlte Stunden- beziehungsweise Tagesentgelt mit denen der Konkurrenz, so stelle ich darüberhinaus fest, dass ich meistens für 20 bis 35 Prozent weniger an Gehalt arbeite.

Soll ich mich nun ändern, wie einige meiner Freunde vorschlagen? Soll ich mich in noch höheren Tönen loben und auf eine Aufstockung meines Stunden- beziehungsweise Tagesentgeltes drängen? Würde ich mich überhaupt wohlfühlen derart aufzutreten? Nein, das entspricht nicht meinem Naturell und so akzeptiere ich einfach meine Wesenseigenheiten.

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