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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Wie sicher sind Tätowierungen?

Montag, 27. Juli 2015

Etwa 100 Millionen Menschen in Europa haben eine oder mehrere Tätowierungen. Sie haben sich laut einer Übersicht im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)60215-X) nicht nur während des Tätowierens einem Infektionsrisiko ausgesetzt. Auch die lebenslange Exposition durch die eingebrachten Farbstoffe könnte mit Gesundheits­risiken einhergehen, die sich derzeit noch nicht abschätzen lassen.

Traditionelle Tätowierungen waren in der Regel schwarz-weiß. Sie bestanden aus Ruß, sprich zum überwiegenden Teil aus Kohlenstoff. Farbliche Schattierungen wurden durch Titan- und Eisenoxid erzielt. Pro Quadratzentimeter Haut wurden etwa 1 mg Farbstoff eingebracht. Ruß ist natürlich alles andere als unbedenklich, da sich in ihm polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) befinden, von denen einige eindeutig krebserzeugend sind.

Ob Tätowierte deshalb häufiger als andere Menschen an Krebs erkranken, ist allerdings nicht untersucht. Dies könnte nur in epidemiologischen Studien geschehen. Tätowierungen waren in den prospektiven Beobachtungsstudien jedoch bislang kein Thema: Tätowierte gehörten bis vor wenigen Jahren gesellschaftlichen Randgruppen an. Die Teilnehmerinnen der Nurses' Health Studies oder der Health Professionals Study trugen in der Regel kein Tattoo. Dies könnte sich jedoch ändern, da Tätowierungen zunehmend gesellschaftlich akzeptiert werden.

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Es gibt jedoch noch eine weitere Veränderung, die Toxikologen Kopfzerbrechen bereitet. Moderne Tattoos sind in der Regel farbig. Erreicht wird dies durch eine Fülle von organischen Farbstoffen und Metallsalzen. Die Zusammensetzung ist häufig nicht bekannt, zumal Tätowiermittel nicht genehmigt werden müssen. In Deutschland gibt es lediglich eine Negativliste von Stoffen, die nicht verwendet werden dürfen.

Eine Positivliste, die unbedenkliche Stoffe auflisten würde, existiert nicht. Sie ist auch von der europäischen REACH-Gesetzgebung nicht zu erwarten, schreibt das Team um Andreas Luch vom Bundesinstitut für Risikobewertung in der Übersicht, die die Ergebnisse eines Symposiums zusammenfasst. REACH sieht Luch zufolge nur eine äußerliche Testung auf der Haut vor, nicht aber intradermale Tests. Das regulatorische Manko besteht darin, dass Tätowiermittel in der Regel als Kosmetika eingeführt werden und nicht als „Arzneimittel“, die sie von der Art der Anwendung eigentlich wären (auch wenn sie nicht zur Linderung von Krankheiten eingesetzt werden).

Die Zusammensetzung moderner Tätowiermittel ist nicht immer bekannt. Viele enthalten neben den Farbstoffen Verunreinigungen. Außerdem sind die injizierten Farbstoff­mengen häufig höher als bei Schwarzweiß-Tätowierungen: Organische Chemiker wiesen in der Haut bis zu 9,42 mg pro cm2 Haut nach. Farbige Tätowiermittel werden auch schneller vom Körper abgebaut, entweder durch Enzyme der Haut oder aber durch UV-Licht. Dies beeinträchtigt nicht nur die ästhetische Wirkung des Tattoos, das langsam verblasst. Es entstehen auch Spaltprodukte, die teilweise zytotoxische oder auch krebserregende Eigenschaften haben.

Auch die Entfernung durch eine Laserbehandlung führt dazu, dass die Pigmente zerstört und die Bestandteile entweder durch das Immunsystem oder über die Lymphdrainage abtransportiert werden. Sie erzielen dann eine systemische toxische Wirkung, die bisher kaum erforscht ist.

Tätowiermittel können auch allergische Reaktionen in der Haut auslösen. Das Bispebjerg Hospital in Kopenhagen, das eine „Tattoo clinic“ betreibt, hat bereits einen Allergiestet entwickelt, der neben Standardallergenen und Textilfarstoffen auch acht Tätowiermittel umfasst. Das häufigste Kontaktallergen in einer ersten Untersuchung war übrigens Nickel. Aber auch rote Farbstoffe bereiten immer wieder Probleme. Diese enthalten zwar nicht mehr Quecksilbersulfid (das klassische Zinnober), das auch ein starkes Kontaktallergen ist. Problematisch sind die Farbstoffe dennoch. Und Rot ist die bei farbigen Tattoos am häufigsten verwendete Farbe. 

Eine stärkere Regulierung wird von vielen Experten gefordert. Dort wo es sie gibt, etwa in der Schweiz, werden sie häufig umgangen. Eine Untersuchung des Kantonalen Laboratoriums Basel-Stadt ergab, dass ein Drittel der Tätowiermittel nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprach. In anderen Ländern wie Neuseeland sind gesetzliche Regelungen aus traditionellen Gründen nicht durchzusetzen. Tätowierungen gehören dort zur Kultur der Maori. Und durch den internationalen Tourismus lässt sich ohnehin nicht verhindern, dass sich die Touristen das Tattoo dort stechen lassen, wo ohne gesetzliche Regelungen die farbenprächtigsten Tattoos angeboten werden.

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