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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Amerika soll besser werden

Donnerstag, 6. August 2015

Bürger in europäischen Ländern beklagen sich seit Jahren über Wohlstandsverluste und wer nachfragt, der bekommt oft zu hören, dass vieles von Jahr zu Jahr schlechter wird: Zunahme der Verbrechen, Zunahme illegaler Einwanderung, Zunahme der Steuerlast und auch, laut vielen Bürgern, Abnahme der Lebensqualität. Viele Medien verbreiten zwar Statistiken, die deutlich machen, dass all dieses nicht der Fall ist, dennoch halten sich diese Meinungen.

In den USA ist seit Jahren eine  ähnliche Stimmung zu spüren, unter den Medizinern besonders verbreitet, bei denen man „den Politikern da oben“ nicht zutraut, die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Obwohl die Kran­ken­ver­siche­rungen ausgeweitet wurden, viele neue Studien- und Ausbildungsplätze für Ärzte und Krankenschwestern geschaffen wurden, deutlich mehr Geld in das VA-System gesteckt wurde, um nur einige von vielen Reformen zu nennen, so scheint das Gesundheitssystem eben nicht besser geworden zu sein, und diese Meinung hält sich trotz der von Medien veröffentlichten Statistiken.

Auch die allgemeine US-Bevölkerung ist sehr unzufrieden mit der Entwicklung ihres Landes. Viele Amerikaner sehen ihr Land von dem eines Weltführers in eine weniger bedeutende Rolle rutschen, beobachten mit Sorge, wie der Wohlstand nicht auf alle gleich verteilt, sondern eher wenigen zugute zu scheinen kommt. Allein heute haben mir zwei Patienten diese Sorgen bei der Visite mitgeteilt, manchmal sind es mehr als ein Dutzend, die mir dieses im Laufe einer Woche kundtun.

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All das mag wohl erklären, wieso Donald Trump als republikanischer Präsident­schaftskandidat so beliebt unter Ärzten, aber auch den amerikanischen Bürgern ist, denn er scheint anders zu sein; er kommt eben nicht aus dem politischen Betrieb und redet weniger so, wie man es eigentlich von einem Präsidentschaftskandidaten erwartet, sondern vielmehr wie man es sich von einem solchen erhofft: Direkt, die Probleme ansprechend, manchmal auch über das Ziel hinausschießend.

Fast schon legendär ist seine Votum für einen Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA, wie er Hillary Clinton eine „steife Person“ nannte oder Präsident Obama mehr oder weniger als inkompetent abtat. Wer einen Eindruck von seiner polemischen Art kriegen möchte, kann auf Youtube Dutzende an Videos hierzu finden, so z.B. https://www.youtube.com/watch?v=ls3m7NUOqxs.

Das Motto des Milliardärs Donald Trump ist dabei ein denkbar einfaches: „Machen wir Amerika wieder großartig“. Mit diesem patriotischen Wahlkampfspruch spricht er Millionen von Amerikanern aus ihren Herzen, auch Ärzten mit seinem Versprechen Obamacare abzuschaffen. Tatsächlich wird er von vielen vergöttert, natürlich auch von anderen verteufelt. Heute kommt es zu einer ersten Auseinandersetzung aller republikanischen Präsidentschaftskandidaten und wenngleich noch nicht ganz klar ist, wofür sie im einzelnen stehen, das wohl zum Teil selber noch nicht wissen, so scheint der Präsidentschaftswahlkampf der USA für 2016 spannend zu werden. Welche Auswirkungen wird all das auf die Medizin und die von Obama angestoßene Reformen wohl haben?

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