DÄ plusBlogsVom Arztdasein in AmerikaDie nächste Weiterbildung, Teil II
Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vom Arztdasein in Amerika

Die nächste Weiterbildung, Teil II

Mittwoch, 2. September 2015

Wie in einem vorherigen Blogtext geschildert, verläuft die Bewerbung um eine Weiterbildungsstelle zentral via einer USA-weiten Bewerbungsstelle. Ich beabsichtige mich zum Geriater weiterbilden zu lassen und entsprechend stehen mir mehr als 70 Lehrkrankenhäuser zur Verfügung, sei es im Bundesstaat Hawaii weit im Westen und Süden Amerikas oder im Bundesstaat Maine im Nordosten. Manche Programme sind weltweit bekannt – Yale Universität, Johns Hopkins, Harvard, um einige pars pro toto zu nennen – andere selbst innerhalb der USA nur regional von Bedeutung, wobei natürlich jedes Institut seine Stärken und Schwächen hat.

Wie hat mich sich solch eine Bewerbung vorzustellen? Nun ja, es erfordert viel Zeit, Mühe und auch Geld: Nachdem eine Anmeldegebühr von knapp 300 US-Dollar (aufgeteilt in eine Anmelde- und eine Bewerbungsgebühr) entrichtet worden ist, loggt man sich in ein EDV-Programm - https://www.aamc.org/services/eras/ - ein und beginnt seine Bewerbung. Hierzu gehört es relevante Prüfungsergebnisse, Universitäts­zeugnisse und das Medizindiplom dem EDV-Programm verfügbar zu machen, natürlich alles mit logistischem Aufwand, aber auch mit weiteren Gebühren zwischen jeweils 20 und 50 US-Dollar behaftet.

Weiterhin muss man einen sehr detaillierten und in meinem Fall fast zehn Seiten umfassenden Lebenslauf elektronisch ausfüllen, darüberhinaus noch einen Aufsatz zur eigenen Person, den Beweggründen für die Bewerbung und Zukunftsplänen erstellen und mindestens drei Empfehlungsschreiben von Kollegen, im Idealfall bekannten oder leitenden Ärzten, einholen. Hat man all diese Mühen auf sich genommen, ein Vorgang, der bis zu zwei Monate dauern kann, dann kann man loslegen und die eigentliche Bewerbung an das jeweilige Krankenhaus verschicken.

Anzeige

Das habe ich nun also getan und mich bei neun Lehrinstituten beworben, mittlerweile Vorstellungsgespräche bei mehr als der Hälfte erhaltend, sei es in der Mayo-Klinik in Arizona und Minnesota, Vanderbilt Universität in Tennessee, einem sehr bekannten Krankenhaus in Florida und ggf. auch Johns Hopkins in Baltimore und Harvard in Boston.

Die Vorstellungsgespräche sind meistens eine größere Reiseanstrengung, denn man fliegt bzw. fährt am Vortag zum jeweiligen Lehrkrankenhaus, geht am Abend vor dem Vorstellungsgespräch mit anderen Ärzten der angestrebten Fachrichtung essen, um dann am eigentlichen Tag des Vorstellungsgespräches mit Anzug und Krawatte gegen 8 Uhr zu erscheinen, eine Tour durch Haus zu absolvieren und in zeitlicher Abfolge mit vier bis sechs Ärzten jeweils Vorstellungsgespräche zu führen. Hat man diesen Prozess durchlaufen, so entscheidet man sich spätestens im Januar für das einem am besten zusagende Institut und sollte dieses wechselseitig sein, so erhält man eine Ausbildungsstelle zum 1. Juli.

Selbstverständlich ist, dass manche Programme bekannter, andere weniger bekannt sind, dass die Größe, die Gestaltung des Lern- und Lehrplanes, wie auch die Forschungs­möglichkeiten unterschiedlich sind. Manche Fakultäten bieten auch im Anschluß eine Leitungs- bzw. Professorenstelle an, andere eine gutdotierte Forschungs- und Lehrmöglichkeit.

In manchen Programmen wird bis zu 70 oder 80 Stunden die Woche mit wenig Urlaub gearbeitet, in anderen gibt es auch ein Leben außerhalb des Berufes. Hinzu kommt den für die USA stets wichtigen finanziellen Aspekt, denn obgleich das Gehalt zwar überall gesetzlich gleich hoch ist, so haben die einzelnen Bundesstaaten verschiedene Steuersätze und manche erlauben Extradienste. Mit anderen Worten ist die Entscheidung keine leichte, die Qual der Wahl für manche.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Frau Doktor
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah