Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Flüchtlinge in die USA?

Montag, 7. September 2015

Es scheint als würde jeder in Deutschland über die „Flüchtlinge“ reden. Zwar kann niemand so recht sagen, wer diese Flüchtlinge sind (syrische Christen? Islamistische Kämpfer, die vor Präsident Assad fliehen? Kurden, die vor dem türkischen Präsidenten Erdogan fliehen? Afghanen, obwohl Afghanistan mehr und mehr befriedet ist? Iraker, obwohl es dort sich eine Demokratie entwicklelt?) und wieso sie gerade nach Zentral­europa wollen, aber jeder spricht darüber in deutschen Medien und von der Notwendigkeit, sie nach Deutschland zu holen.

Auffallend ist, dass die Flüchtlinge kaum in den USA thematisiert werden. Wie manchem bekannt ist, hat die US-Regierung verlautbaren lassen, dass die Flüchtlingsproblematik eine europäische sei und die USA keine aufnehmen werde. Passend dazu wissen meine US-Kollegen noch nicht einmal, dass sich Tausende (oder sind es gar Millionen?) auf den Weg gemacht haben nach Europa, mancher kennt noch nicht einmal ihre Ursprungs­länder vom Namen her.

Kürzlich aber war ich doch erstaunt, als wir über das Thema im Kollegenkreis sprachen und sogleich Meinungen vertreten wurden: „Ja, die Flüchtlinge sollten doch bewaffnet werden und zurück in ihre Heimat gehen, um sie zurückzuerobern“. Ein anderer meinte, dass die USA wohl „Tausend oder so“ aufnehmen könnte, „damit sind ja die meisten abgedeckt“. Ein dritter sagte, daß die USA „die besten aufnehmen könne“ und der Rest solle halt „irgendwo“ hingehen.

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In solchen Fällen bin ich dann doch froh, dass US-Ärzte nur sehr selten in die Politik gehen. Das ist typisch für die USA: Man ist dort sehr oft ein Spezialist und kennt außerhalb seines eigenen Berufsspektrums die anderen Dinge nur sehr begrenzt, leider trifft das auch auf viele von uns Ärzten zu.

Leserkommentare

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Avatar #675143
plaque
am Donnerstag, 10. September 2015, 18:01

Oje...

Wer jenseits des großen Teichs Afghanistan für ein mehr und mehr befriedetes Land, Irak für eine sich entwickelnde Demokratie und fliehende Syrer für islamistische Kämpfer hält ist sicherlich froh, wenn das Thema Flüchtlinge im Einwandererland USA diskret unter der Decke gehalten wird. Hauptsache man ist selbst schon gut integriert.
Avatar #84550
gennadij
am Mittwoch, 9. September 2015, 13:35

Herr

"ParadOxow"
Es liegt bloß an Überfluss der menschlichen Weisheit. Und daran, dass sich die Menschen sowohl im Nah Ost als auch im Rest der Welt auf Gottes Wort zu hören verweigern.
Gena
Avatar #103205
Patroklos
am Mittwoch, 9. September 2015, 11:41

Ignoranz.

Ein grosses Land, das Grenzen zu nur 2 anderen Ländern hat, neigt dazu, sich für die Welt zu halten. Amerikaner habe ich während eines Besuchs vor langer Zeit als ziemlich ignorant erlebt, was Ereignisse und Geschehnisse außerhalb ihres Gesichtskreises angeht.
Eine auf Lügen aufgebaute kriegerische Invasion des Irak durch die "Koalition der Willigen" ist wohl eine wesentliche Ursache für die Destabilisierung des Nahen Ostens mit den heutigen Flüchtlingsströmen. Die Entstehung einer schlagkräftigen Islamistenarmee in dem Gebiet ist wohl ebenfalls zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, dass die irakische Armee Saddams aufgelöst wurde und gelernte Soldaten neue Perspektiven gesucht haben.
Amerikaner sind mit ihrer weltbildlichen Simplizität weltpolitisch häufig sehr hilfreich. In diesem Fall haben sie, wie es scheint, die Büchse der Pandora geöffnet. Die Konsequenzen haben andere, die näher dran wohnen, zu tragen.
LNS
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