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Res medica, res publica

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Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Peter Altmaier und der Roboter

Dienstag, 8. September 2015

Gerade erst hatte sich das Eröffnungspodium des Demografiekongresses in Berlin darauf verständigt, dass neue Wege gefunden werden müssten, um älteren Menschen die Gelegenheit zu geben, sich für die Gesellschaft zu engagieren und ihre Erfahrung weiterzugeben. Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) solle geöffnet, auch Ältere sollten ein freiwilliges soziales Jahr zum Beispiel in den Wohlfahrtsverbänden ableisten können.

Da eilte ein verspäteter Kanzleramtsminister Peter Altmaier in den Saal im Berliner Interconti  und verkündete, es werde 5.000 bis 10.000 zusätzliche Bufdis in der Flüchtlingshilfe geben. Dabei werde man auch auf Ältere zurückgreifen, um vor Krieg und Verfolgung geflohene Menschen zu betreuen. Prinzipiell steht der BFD auch heute schon allen offen: Aber von 33.000 aktiven Bufdis sind im Moment nur 330 älter als 65 Jahre.

So schnell wie bei der Bufdi-Entscheidung geht es in der Politik nicht immer. Zwar hat die Bundesregierung schon 2012 eine Demografiestrategie aufgestellt und gerade erst aktualisiert. Aber den demografischen Wandel und die subkutanen Veränderungen, die er mit sich bringe, zu einem zentralen Thema in Deutschland zu machen, das ist auch nach Ansicht des Kanzleramtschefs noch nicht gelungen.

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Viel Konkretes für die Zukunft hatte Altmaier nicht zu bieten. Seine Botschaft: Was immer der derzeitige Flüchtlingszustrom für die Bevölkerungsstruktur des Landes bedeuten werde, auf jeden Fall werde es in Zukunft viel mehr ältere Menschen geben. Deren Erfahrungen gelte es zu nutzen, zumal es – anders als noch vor Jahren vorhergesagt – keinen Mangel an Arbeit gebe. Ältere sollten also freiwillig weiter tätig bleiben können – wie der Klempner, der in des Ministers Privatwohnung ab und zu tätig wird. Der sei nämlich 68, berichtete der CDU-Politiker, und nach seinem Renteneintritt höchst unglücklich gewesen. Seit er aber wieder drei Tage die Woche arbeite, sei der Handwerker mit sich und der Welt zufrieden.

Probleme in der Arbeitswelt (und deren Lösung) dringen also nicht nur bürokratisch gefiltert in Form von Memoranden und Sitzungsvorlagen bis in die Berliner Regierungs­zentrale. Sicher hätte der Kanzleramtsminister auch für das Problem, wie angesichts der steigenden Zahl alter und multimorbider Menschen die ärztlicher Versorgung zu sichern ist, ein anschauliches Beispiel parat gehabt. Dazu sagte er aber nicht viel mehr als: „Es gibt keine schwerere Aufgabe in der Politik, als ein Krankenhaus zu schließen.“ Manchmal, so konnte man Altmaiers anschließende Bemerkung wohl verstehen, gehe es nicht anders, müsse eben ein Haus geschlossen werden, um andere zu erhalten. Eine Marschroute des Kanzleramts für die Debatten über die Klinikreform lässt sich daraus nicht ableiten.

Von technischen Innovationen erwartet Altmaier (57), der als einer der ersten Spitzenpolitiker die sozialen Netzwerke für sich entdeckte, Problemlösungen. Für seine 86 Jahre alte Mutter, „die mit großer Freude Auto fährt und auch ab und zu mal geblitzt wird“, kann er sich das selbstfahrende Auto, das sie auch in zehn Jahren noch sicher ans Ziel bringt, gut vorstellen.

Und selbst ein Pflegeroboter ist für ihn keine Horrorvision. Die Zuhörer lässt er an lustigen Dialogen teilhaben, die sich in 30 Jahren im Hause Altmaier abspielen könnten, wobei der Roboter den Hausherren stets mit „Herr Minister a.D.“ anzureden hat. Bei allen drückenden Problemen, und das ist tröstlich, gibt es im Berliner Machtzentrum immer noch Humor und Selbstironie.

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