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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Florida wächst und wächst

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Florida kenne ich seit vielen Jahren sehr gut, nicht nur weil ich dort eine Zeit lang gelebt, studiert und gearbeitet habe, sondern weil noch immer Familie und Freunde dort wohnen. Ich besuche den Bundesstaat mehrmals im Jahr, gehe dort zu ärztlichen Kongressen und von Zeit zu Zeit, wie zuletzt Anfang dieses Jahres, erwäge ich – halbherzig – eine der vielen mir in regelmäßigen Abständen angebotenen Arztstellen anzunehmen. Immerhin habe ich ja eine ärztliche Arbeitslizenz für Florida.

Der Bundesstaat ist auch für sehr viele Arztkollegen attraktiv, und sehr häufig kommen sie auf mich zu und bitten mich von meiner Arbeitszeit dort zu berichten, eben weil sie einen Umzug erwägen. Damit sind sie Teil eines großen Migrationstrends, in dem Jahr um Jahr Amerikaner nach Süden und dort v.a. Florida, Arizona und Texas ziehen.

Kürzlich saß ich im Flugzeug auf dem Weg nach Orlando. Als mein Sitznachbar erfuhr, dass ich Florida so gut kenne, wollte er mit mir anstoßen – er ziehe nach Florida und sei der zwanzigmillionste Bürger dort laut seinen Berechnungen. Ob das zutreffe, kann ich zwar nicht bestätigen, statistisch gesprochen kommt das aber der Wahrheit nahe, denn tatsächlich wird der Bundesstaat Florida noch dieses Jahr, wohl im Spätsommer oder Herbst des Jahres 2015, die 20-Millionen-Einwohnerschwelle überschreiten (http://www.tampabay.com/news/perspective/20-million-floridians--and-counting/2246022). Seit 2013 ist er außerdem der drittbevölkerungsreichste Bundesstaat in den USA, damals wurde New York überflügelt und nun liegt er hinter Texas und Kalifornien.

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Tatsächlich scheint bei jedem meiner Besuche ein neues Hochhaus, eine neue Straße, eine neue Spur an einem der vielen Autobahnen gebaut worden zu sein und wenig überraschend sind mittlerweile viele Teile der Autobahn I-75, die Florida von Norden nach Süden durchzieht, in beide Richtungen vierspurig.

Es spricht also vieles dafür als Arzt nach Florida zu ziehen: Wachsender Patienten­stamm, oftmals landschaftlich schöne Wohngegenden nahe des Meeres, gute Zukunftsperspektiven, steigende Immobilienpreise, niedrige Steuerlast. Doch wieso entscheide ich mich dann doch jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke dagegen?

Nun ja, Spanisch wird als Fremdsprache immer wichtiger, entsprechend bin ich bei den vielen zentral- und südamerikanischen Patienten mit meinen nur rudimentären Kenntnissen benachteiligt. Außerdem ist die ärztliche Haftpflichtversicherung sehr teuer in Florida, weil die Menschen klagefreudig sind.

Hauspreise sind hoch, zumindest in den landschaftlich reizvollen Gegenden, weil man mit sehr wohlhabenden und reichen Menschen um die begehrten Immobilien konkurriert. Weiterhin ist Klimaanlagenutzung fast rund um das Jahr eine Notwendigkeit, und ich will gar nicht an die vielen Sonnenbrände denken, die ich oft sogar trotz als ausreichend empfundenen Sonnenschutzes davontrug – früher ging ich nachts um 23 Uhr joggen, einfach um etwas Kühle und Schutz vor Insekten zu haben.

Die Kontraliste ist für mich derart lange, daß aktuell nicht absehbar ist, ob ich je zu Floridas ständigem Bevölkerungswachstum beitragen werde. 

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