DÄ plusBlogsRes medica, res publicaÜber rauchende Ossis und dürre Wessis
Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Res medica, res publica

Über rauchende Ossis und dürre Wessis

Freitag, 2. Oktober 2015

„Bild“ war mal wieder am schnellsten. Zwei Tage vor dem Jahrestag und den Feier­lichkeiten zu 25 Jahren deutsche Einheit ließ es uns wissen, was die 25 Dinge sind, die jeder in Deutschland mal gemacht haben sollte. Die Gratis-Sonderausgabe, verteilt an alle 42 Millionen Haushalte der Republik, enthält entsprechende Listen mit 25 deutschen Museen, Filmen und Hits. 25 Bücher auf Deutsch, die jeder gelesen haben sollte, hat Hellmuth Karasek ausgesucht, der die Veröffentlichung des Artikels leider nicht mehr erlebte. Das Thema Gesundheit findet man überraschenderweise nicht. So blieben uns „Bild“-Ranglisten wie „Die 25 fittesten Deutschen“ oder „Die 25 deutschen Ärzte, die jeder konsultiert haben sollte“ erspart.

Wer zum 3. Oktober nicht nur wohlgesetzte Politikerworte zur Lage der wiedervereinigten Nation sondern verlässliche Zahlen erfahren möchte, wird beim Statistischen Bundesamt fündig. Die Statistiker sahen keinen Grund, in ihrer Sonderveröffentlichung zum Jahrestag auf das Thema Gesundheit zu verzichten. Lobenswert auch, dass sie es in das Kapitel „Lebensqualität“ eingruppieren.

Einiges hat man schon mal gehört. Zum Beispiel, dass die Zahl der Krankenhausbetten (seit 1991 um ein Viertel auf rund 500 000) und die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus (von 14 auf 7,5 Tage) gefallen ist bei gleichzeitig steigenden Patienten­zahlen. Am Jahresende 2013 waren 357.252 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland tätig, 46 Prozent mehr als 1991.

Anzeige

Das liegt auch, wie das Statistische Bundesamt zu Recht schreibt, an der gestiegenen Zahl von Ärzten, die Teilzeit arbeiten. Die Ärztedichte (Zahl der Ärzte pro 100 000 Einwohner) ist in den östlichen Bundesländern auch deshalb überdurchschnittlich stark gestiegen, weil die neuen Länder (ohne Berlin) seit 1991 etwa zwei Millionen Einwohner verloren haben. Manche Krankenkassenvertreter ziehen daraus den (falschen) Schluss, es gebe hierzulande nicht zu wenig, sondern zu viele Ärzte.

Aus den folgenden Zahlen könnten Böswillige sogar neue Ost-West-Klischees ableiten. Denn die Statistiker haben sich ganz humorlos auch mit Gesundheitsrisiken wie Übergewicht und Rauchen befasst, Basis waren freiwillige Angaben im Mikrozensus. Das Ergebnis: In den ostdeutschen Flächenländern leben die meisten stark über­gewichtigen Erwachsenen. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 20,6 Prozent, in Sachsen-Anhalt 20,2, in Thüringen 18,1 und in Sachsen 16,9 Prozent (gemäß Definition der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO gilt ein Body-Mass-Index von über 30 als starkes Übergewicht). Die „dicksten“ westdeutschen Länder sind Rheinland-Pfalz (17,1 Prozent), Nordrhein-Westfalen (16,2) und das Saarland (16,0). Wenn die Statistik stimmt, müssten die Hamburger am dünnsten sein, dort wohnen nur 11,1 Prozent Dicke. Das Besorgnis­erregende: In ganz Deutschland hat sich der Anteil stark Übergewichtiger an der erwachsenen Bevölkerung von 1999 bis 2013 deutlich erhöht.

Das Positive zum Schluss: Drei von vier Menschen über 15 Jahren, die in Deutschland leben, sind Nichtraucher. Der Anteil der regelmäßigen oder gelegentlichen Raucher hat sich von 1999 bis 2013 von 28,3 auf 24,5 Prozent vermindert, bei den Männern stärker als bei den Frauen. Aber immer noch rauchen mehr Männer als Frauen. Auch hier fallen Unterschiede zwischen Ost und West auf:  In der jungen Generation bis 35 Jahren gibt es in den ostdeutschen Flächenländern die meisten Raucher. Aber in Sachsen finden sich bundesweit am wenigsten Raucherinnen (16,6 Prozent). Berlin dagegen hat den höchsten Anteil rauchender Männer (34,4 Prozent).   

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Frau Doktor
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah