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Das lange Warten

Das lange Warten

In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Einer von ihnen ist Paul Behrend. DÄ-Redakteurin Gisela Klinkhammer begleitet Behrend während seiner Wartezeit auf eine Niere. Sie berichtet regelmäßig in diesem Blog über das (hoffentlich nicht allzu) lange Warten auf das Organ, wie Behrend psychisch damit umgeht und über seine aktuelle gesundheitliche Befindlichkeit.

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Das lange Warten

Umstellung der Ernährung

Dienstag, 6. Oktober 2015

Paul Behrend fühlt sich grundsätzlich gut, aber: „Die Fortschritte werden immer kleiner.“ Behrends Nephrologin wolle jetzt auch noch einmal im Transplantationszentrum nachfragen, ob noch weitere Untersuchungen erforderlich seien. Nach wie vor hofft Behrend auf eine baldige Transplantation. „Aber mal bin ich ein bisschen weiter oben auf der Liste, und dann bin ich wieder ein bisschen weiter unten. Das ist eben ein Lotteriespiel.“

Was sich für ihn nach der Explantation seiner verbliebenen Niere verändert hat und womit er nicht gerechnet hätte, ist die Ernährungssituation. „Die letzte Niere hatte offenbar noch eine Restfunktion, was das Ausfiltern von Schadstoffen anging. Ich muss jetzt jedenfalls um ein Vielfaches mehr auf meinen Kalium- und Phosphathaushalt aufpassen“, berichtet Behrend.

Der Kaliumwert sei ständig zu hoch. „Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Bananen, Spinat und Tomaten kann ich nur noch in homöopathischen Dosen oder entsprechend zubereitet zu mir nehmen. Wenn ich zum Abendessen mal eine halbe Tomate esse, bedeutet das für mich, dass ich sofort Antikalium, ein Mittel gegen zu hohe Kaliumwerte, einnehmen muss.“

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Er sei zurzeit dabei, Listen von für ihn schädlichen Lebensmitteln zu erstellen. So habe seine Frau vor kurzem einmal Schwarzwurzeln gekocht. Dabei hätte er nicht bedacht, dass dieses Gemüse extrem viel Kalium enthalte. „Das heißt für mich, davon sollte ich nicht wenig essen, Schwarzwurzeln sollte ich besser gar nicht essen.“

Ähnlich sei es ihm vor kurzem mit Avocados ergangen. Seine Frau hätte an einem der heißen Sommertage einen frischen Salat mit Avocados zubereitet. „Zwei Tage später, bei der Dialyse, stellte man einen so extrem hohen Kaliumwert bei mir fest, dass selbst die Ärztin erschrocken war. Aber ich hatte weder irgendwelche Blutungen noch Verletzungen, die zu diesen erschreckenden Werten hätten führen können.“ Deswegen sei man gemeinsam die Ernährung des Vortages durchgegangen. „Und als ich sagte, dass ich eine Avocado gegessen hatte, wusste meine Nephrologin sofort, warum mein Kaliumwert so in die Höhe geschossen war.“

Auch mit Phosphaten, die vor allem im Fleisch enthalten seien, müsse er jetzt extrem aufpassen. Fleisch müsse er aber wegen der darin enthaltenen Proteine essen. Schlecht seien dagegen Wurst und Fleischaufschnitt. „Der Wurst wird vom Metzger Phosphat zugesetzt, damit die Salami schön rot aussieht und die Leberwurst lecker aussieht.“ Jetzt müsse er beim Metzger immer nachfragen, welcher Wurst kein Phosphat zugesetzt sei. „Das war vor meiner Nierenoperation alles sehr viel unkomplizierter.“

Die Nierenexplantation hätte allerdings auch eine positive Nebenwirkung: „Ich hatte vor der Entnahme große Probleme mit dem Blutdruck, so dass ich insgesamt eine Viererkombination an Medikamenten nehmen musste. Jetzt benötige ich nur noch einen Betablocker, um meinen Blutdruck zu regulieren.“  Das liege wohl daran, dass die Niere sehr groß  und blutdurchströmt war. „Meine Medikamentenbelastung ist dadurch deutlich geringer, was auf jeden Fall erfreulich ist.“

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