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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Ohne Fruktose erholt sich der Stoffwechsel von adipösen Kindern in neun Tagen

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Kinder mögen Süßes, und das Angebot an Nahrungsmitteln, die dieses Bedürfnis befriedigen, ist enorm. Zucker ist nicht nur in Süßgetränken enthalten, es wird auch Frühstückszerealien, Müsliriegeln, Joghurts und anderen Nahrungsmitteln zugesetzt, die als gesund beworben werden. Die Folgen sind unübersehbar. Die Zahl der über­gewichtigen Kinder nimmt zu. Immer häufiger kommt es bereits im Jugendalter zu Typ 2-Diabetes, arterieller Hypertonie oder einer Fettleber.

Ernährungswissenschaftler diskutieren derzeit, ob allein das Überangebot von hochkalorischen Nahrungsmitteln für diese Entwicklung verantwortlich ist, oder ob die Zusammensetzung der Nahrungsmittel eine Rolle spielt. Der Verdacht fällt dabei auf Fruktose. Es wird vielen Nahrungsmitteln zugesetzt, weil es süßer ist als Glukose und billiger in der Herstellung. Robert Lustig von der Universität von Kalifornien in San Francisco und Mitarbeiter haben hierzu ein interessantes Experiment durchgeführt.

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An der Studie nahmen 42 adipöse Kinder im Alter von 8 bis 18 Jahren teil. Sie wurden aus den Bevölkerungsgruppen der Latinos und Afroamerikaner ausgewählt, da es in hier in letzten Jahren zu einen deutlichen Anstieg der Fettlebererkrankungen (Latinos) und Diabeteserkrankungen und Hypertonien (Afroamerikaner) im Kindesalter gekommen ist. Alle Teilnehmer waren adipös, und sie hatten mindestens ein weiteres Zeichen eines metabolischen Syndroms wie hohen Blutdruck, hohe Blutfette oder einen erhöhten Blutzucker.

Die Teilnehmer erhielten kostenlose Nahrungsmittel für neun Tage. Die Ernährungs­wissenschaftler hatten sie nach dem niedrigen Zuckergehalt ausgewählt, dabei aber auf „kinder-freundliche“ Produkte geachtet. Statt mit Zucker gesüßten Joghurt gab es Bagels. Kekse wurden durch Kartoffelchips ersetzt. Es ging in der Studie ausdrücklich nicht darum, die Kalorienmenge zu begrenzen, um das Körpergewicht zu senken. Das einzige Ziel war eine Reduktion der Kohlenhydrate von vorher 28 auf 10 Prozent. Der Anteil von Fruktose wurde auf 4 Prozent begrenzt.

Trotz der fehlenden Kalorienrestriktion nahmen die Teilnehmer im Durchschnitt etwa ein KIlogramm ab. Die Forscher führten dies im Wesentlichen auf einen Flüssig­keitsverlust zurück. Der Anteil der Fettmasse in der Röntgen-Absorptiometrie (DXA) blieb im Verlauf der neun Tage konstant.

Deutliche Veränderungen gab es im Stoffwechsel der Kinder: Wie erwartet gingen Nüchternblutzucker und Insulinresistenz (HOMA) um mehr als 50 Prozent zurück. Aber auch der Fettstoffwechsel reagierte sofort auf die Änderung der Ernährung: Die Nüchtern-Trigylzeride sanken 46 Prozent. Lustig führt auf eine gesteigerte Lipogenese aus Fruktose in der Leber zurück. Fruktose wird anders als Glukose bevorzugt in Fettsäuren umgewandelt. Am erstaunlichsten war aber, dass der diastolische Blutdruck um 5 mm Hg sank. Laut Lustig wird eine blutdrucksteigernde Wirkung von Fruktose diskutiert. Sie soll über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems und über eine verminderte Natriumausscheidung in den Nieren zustande kommen.

Die Studie zeigt indirekt, dass eine hohe Zufuhr von Zucker und vor allem von Fruktose auch dann eine schädliche Wirkung auf den Organismus hat, wenn das Körpergewicht nicht ansteigt. Das Argument, die Kinder könnten gefahrlos fruktosehaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen, solange sie nicht zunehmen – derzeit ein beliebtes Argument der Softdrink-Hersteller – könne deshalb nicht zutreffen.

Leserkommentare

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Avatar #609347
peterpohle
am Dienstag, 8. Dezember 2015, 16:43

dr.med.Peter Pohle

Habe diesen Tatbestand schon vor Monaten im Forum unter der Frage-
stellung "Produziert die Nahrungsmittelindustrie Diabetiker? angesprochen
Avatar #625311
L.A.
am Dienstag, 3. November 2015, 13:08

Die Zuckerbomben Cola, Fanta und Co !

36 Stück Würfelzucker sind in einem Liter Cola-Getränk enthalten ! Das muss man sich immer wieder klar machen!
Es wäre schon viel gewonnen, wenn wir Kinder und Jugendliche dazu bringen könnten, zu kalorienfreien bzw. -armen Getränken zu wechseln.. Dazu müssen alle Anstrengungen unternommen werden !
LNS
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