Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Sofortrabatt

Donnerstag, 19. November 2015

Am Kassenbon des Drogeriemarkts hängt ein weiterer Zettel. Sehr klein bedruckt, aber „5 Euro Sofortrabatt“ springt ins Auge. Darüber der Urheber der großzügigen Offerte: „DocMorris“. Die niederländische Versandapotheke bietet Neukunden, die online oder telefonisch rezeptfreie Apothekenprodukte für mindestens 20 Euro bestellen, 5 Euro Nachlass. Das kommt mir bekannt vor, und zwar aus dem Supermarkt. Dort liegen schon mal grüne Prospekte aus mit Arzneimittel-Sonderangeboten von A wie Aspirin bis Z wie Zovirax (gegen Lippenherpes). Das Ganze unter dem Slogan „Mit Rewe & DocMorris gesund durch jede Jahreszeit“.

Rabattaktionen und Tiefpreise für Medikamente? „Das sehen wir kritisch“, sagt Martin Weiser, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Die Produzenten möchten verständlicherweise nicht, dass ihre Erzeugnisse verramscht werden. Sie unterstreichen, wie wichtig auch bei nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln die Beratung in der Apotheke sei.

Aber Rabatte und Preiswettbewerb sind bei OTC-Produkten (over the counter) nicht nur seit elf Jahren zulässig, sondern vom Gesetzgeber ausdrücklich gewollt. Die Arznei­mittelpreisverordnung gilt für Rezeptfreie nicht. Preiskämpfe wie bei den Lebensmittel-Discountern hat es allerdings nicht gegeben. Die Einkaufskonditionen eines Produkts könnten je nach Hersteller, Großhändler, Bestellmenge oder Saison variieren, schreibt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) auf ihrer Website. Auch die Personal- und Sachkosten sowie die Konkurrenzsituation beeinflussten die Preiskalkulation.

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Den Preisspielraum nutzen vor allem Versandapotheken, von denen es auch deutsche gibt. Eine Studie von 2013 zufolge sind gut 150 Vor-Ort-Apotheken zusätzlich im Versandhandel aktiv. „Das Geschäft über den elektronischen/telefonischen Bestellweg wächst nur noch über den OTC-Teilbereich“, schreibt das Marktforschungsinstitut IMS Health. Hier haben die Versandapotheken im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 11 Prozent (auf 1,25 Milliarden Euro) gesteigert, die Offizin-Apotheken kamen nur auf 1,6 Prozent Zuwachs. Dementsprechend liegt der Marktanteil des Versandhandels bei den OTC-Produkten mit 11 Prozent deutlich höher als der im ganzen Apothekenmarkt.

Und was tun die traditionellen Apotheker? Einige gar nichts, andere legen wöchentlich ein Blatt mit Sonderangeboten aus, wieder andere geben Rabattmarken aus. Ein voll geklebtes Heft ist dann fünf Euro wert. Das dient eher der Kundenbindung als der Ankurbelung des Umsatzes. Apotheker tun gut daran, solche Instrumente zurückhaltend einzusetzen. Wer die gute Beratung der Kunden herausstreicht, wer Arzneimittel nicht als normale Wirtschaftsgüter betrachtet und für sie einen ermäßigten Mehrwert­steuersatz fordert, sollte Medikamente auch nicht wie Waschmittel unters Volk bringen. 

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