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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Brustkrebs: Tauben konkurrieren mit Radiologen und Pathologen

Dienstag, 1. Dezember 2015

Radiologen und Pathologen sind keineswegs die einzige Spezies, die einen Brustkrebs diagnostizieren können. Nach einer Trainingszeit sollte dies auch medizinischem Hilfspersonal oder jedem intelligenten Menschen möglich sein (ohne dass dieser die Hintergründe begreifen muss). In einen Experiment der Universität von Kalifornien in Davis haben sich gewöhnliche Tauben recht gut geschlagen. Die Tiere wurden in einem Käfig platziert, in dem ihnen auf einer Leinwand Bilder von histologischen Schnitten und von typischen Mammographien gezeigt wurden. Die Tauben entschieden dann durch Picken auf eine gelbe oder blaue Fläche, ob es sich ihrer Ansicht nach um ein Mammakarzinom handelte oder nicht. Bei einer richtigen Antwort wurden sie durch Fressen belohnt.

Nach einem stündlichen Training über 15 Tage hatten die Vögel den Dreh raus. Auf den histologischen Aufnahmen betrug die Trefferrate am Ende 85 Prozent. Wurde das Urteil von vier Tauben genommen, stieg die Trefferrate sogar auf 99 Prozent an. Damit könnten sie sich mit einem ausgebildeten Pathologen durchaus vergleichen. Auch Mikroverkalkungen wurden mit einer hohen Zuverlässigkeit erkannt. Die Trefferrate betrug 84 Prozent bei vertrauten und 72 Prozent bei neuen Bildern. Das sollte ein Radiologe besser sehen. Und in der Befundung von unklaren Mammographien, wenn in einer röntgendichten Brust keine Mikroverkalkungen erkennbar sind, versagten die Tiere auf ganzer Linie. Die Trefferrate war nicht vom Zufall zu unterscheiden.

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Um gute Ergebnisse zu erzielen, müssen die Tiere regelmäßig neu trainiert werden. Das Team um Edward Wasserman, der seit vielen Jahren das Verhalten von Tauben untersucht, hatte auch ein wenig geschummelt. Während die Radiologen und Pathologen im ersten Schritt nach verdächtigen Stellen auf den Bildern oder Präparaten suchen müssen, wurden den Tieren die verdächtigen Stellen in hoher Auflösung präsentiert. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass Tauben in Pathologie und Radiologie zum Einholen einer zweiten Meinung eingesetzt werden. Dies ist heute auch nicht bei der Polizei oder bei Kunsthändlern der Fall, obwohl frühere Studien gezeigt haben, dass Tauben Gesichter erkennen und Bilder von Monet und Picasso unterscheiden können.

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