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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Schlechte Laune ist kein Sterberisiko

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Wer mürrisch durch das Leben geht und das Leben eher als eine Last ansieht, wird deshalb nicht früher sterben. Andererseits haben glückliche Menschen keine Garantie auf ein langes Leben. Das ist eigentlich logisch, da die meisten Lebensfunktionen durch die Stimmung beeinflussbar sind und sich die genetischen Prädispositionen nicht als Laune der Natur wegwischen lassen.

Dennoch hat es in der Vergangenheit nicht an Studien gefehlt, die glücklicheren Menschen eine verminderte Mortalität zugeschrieben haben. So kam eine japanische Kohortenstudie zu dem Ergebnis, dass Lebensglück Frauen (aber nicht Männer) vor Herz-Kreislauferkrankungen bewahrt. Eine kanadische Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine positive Lebenseinstellung vor Herzinfarkten schützt, und laut der Women’s Health Initiative könnte Optimismus ein Rezept gegen einen vorzeitigen Tod sein. 

Auch die erste Analyse der britischen Million Women Study scheint einen Gesundheits­bonus der guten Laune zu belegen. Das Epidemiologenteam um Richard Peto von der Universität Oxford hatte etwa 700.000 Teilnehmerinnen des Mammographie-Screenings Fragen zu ihrem Lebensglück gestellt. In der ersten Auswertung schienen eher unglückliche Frauen eine um 29 Prozent erhöhte Sterblichkeit zu haben.

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Doch nach der Berücksichtigung der Selbsteinschätzung der Gesundheit, der Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Asthma, Arthritis, Depressionen oder Angst sowie verschiedenen soziodemographischen und Lifestyle-Faktoren (wie Rauchen, Armut und Body-Mass-Index) hatten unglückliche Teilnehmerinnen das gleiche Sterberisiko wie glückliche. Erstautorin Bette Liu von der Universität Sydney glaubt deshalb, dass frühere Studien schlichtweg Ursache und Wirkung verwechselt haben, was auch plausibel erscheint. Krankheit und naher Tod dürften bei den wenigsten Menschen Glücksgefühle auslösen.

Einen Vorteil haben glückliche Menschen nur, wenn sich ihr Optimismus positiv auf den Lebensstil auswirkt, wenn sie also beispielsweise auf das Rauchen verzichten und Übergewicht vermeiden. Dies dürfte allerdings nicht allen gelingen, denn für viele ist die Lebensfreude doch an den Konsum von Genussmitteln gebunden und nicht unbedingt mit der Idee einer ausgeglichenen Kalorienbilanz verbunden.

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