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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Ärztliches Ansehen USA versus Deutschland

Montag, 25. Januar 2016

Regelmäßig finden Befragungen des Forsa-Instituts in Deutschland statt, bei denen nach dem Beruf mit dem höchsten Ansehen gefragt wird; der Feuerwehrmann führt die Liste an, wird aber dicht vom Arzt und der Krankenschwester gefolgt, denen jeweils 90% der Befragten im Jahr 2015 ein hohes bzw. sehr hohes Ansehen zusprachen, so ein Artikel vom 4. September, 2015 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

In den USA ist die Fragestellung zwar eine etwas andere – man fragt nach der Ehrlichkeit und der moralischen Integrität der Berufsgruppe – aber im großen und ganzen kann man diese Befragungen dennoch mit denen aus Deutschland vergleichen.

Übrigens werden Feuerwehrleute nicht aufgeführt, aber ansonsten sind die Listen in vielen Punkten ähnlich und die Berufsgruppen aus dem Gesundheitsbereich sind führend: Krankenschwestern erhalten unter 85% der Befragten hohe bzw. sehr hohe Zustimmung und Ärzte sind drittplaziert mit 67%, dicht hinter Apothekern mit 68%. Durchgeführt werden diese Untersuchungen vom renommierten Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup.

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In beiden Ländern ist mir als Arzt sehr oft eine hohe Wertschätzung entgegengebracht worden, doch kürzlich fragte mich ein Bekannter, in welchem dieser Länder ich mich stärker wertgeschätzt fühle. Nimmt man alleine diese Befragungen als Kriterium, dann müßte man meinen. dass sie in Deutschland höher als in den USA liege – aber genau das deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen.

Vielmehr scheint es mir umgekehrt, so als würde man mich zwar in Deutschland achten, aber manchmal meine ich entweder eine Gleichgültigkeit zu spüren, so als sei der Arztberuf so wichtig (oder unwichtig) wie viele andere, sei gleichwertig, oder in anderen Fällen meine ich sogar eine Art Mitleid zu spüren (doch Mitleid wovor? Den langen Arbeitszeiten? Den vielen Regulierungen?).

Da scheint die Wertschätzung, die man mir als Arzt in den USA entgegenbringt, viel stärker, deutlicher, greifbarer, manchmal sogar überwältigend. Als ich kürzlich in einem Flugzeug eine (glücklicherweise nicht sehr kranke) Frau behandelte, klopfte man mir reihenweise auf die Schulter, als ein Polizist mich wegen eines zu meldenden Diebstahls auf dem Polizeirevier nach meinem Beruf fragte, schüttelte er mir die Hand und dankte für meine Arbeit und auch bei vielen Patienten meine ich manchmal mehr Anerkennung für die Leistung „Arztberuf“ zu erhalten als ich es in Deutschland tat.

So ganz kann ich mir diese subjektiv erlebte Unterschiedlichkeit nicht erklären, denn die Statistiken geben eine Erklärung nicht her.

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Avatar #649422
Inkontinenzia
am Donnerstag, 28. Januar 2016, 09:34

Ansehen und Ansprüche

Nach über 20 Jahren Allgemeinarzttätigkeit finde ich schon das das Ansehen, gerade von uns Hausärzten, in der Bevölkerung recht gross ist.
Allerdings steht dem gegenüber das die Ansprüche an uns Ärzte auch immens, geradezu illusionär gestiegen sind!!
Wie schon L.A. ansprach ist dies z T den GKV`en geschuldet, wird aber ganz besonders durch die herrschende politische Klasse - die Parteien sind sich eh alle sehr ähnlich - immer wieder unterstrichen. Wie man anhand ihrer kollegialen Beiträge sehen kann, scheint das in den Vereinigten Staaten wohl doch ganz anders zu sein, obgleich ich irgendwie den Eindruck gewinne, dass die USA ihren Zenit mittlerweile auch überschritten hat.
Avatar #625311
L.A.
am Montag, 25. Januar 2016, 14:55

Unsere gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung fördert die Anspruchshaltung

Unsere Vollkasko-Kran­ken­ver­siche­rung macht aus Ärzten Dienstleister. Die Krankenkassen selbst fördern die Anspruchshaltung gegenüber Ärzten und Krankenhäusern. "Dankbarkeit" gibt es- ist aber im System nicht vorgesehen. Um jede noch so geringe Selbstbeteiligung wird ein großes Theater gemacht. "Sozialer Ausgleich" geht über alles.
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