Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

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Mittwoch, 30. März 2016

Wer als Assistenzarzt in den USA arbeiten möchte und weder die US-Staatsbürgerschaft noch die unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung, die sogenannte „Grüne Karte“, besitzt, der ist auf ein Arbeitsvisum angewiesen. Dabei gibt es zwei Hauptgruppen, auf der einen Seite das J-, auf der anderen das H-Visum. Die Unterschiede sind nicht besonders groß, auch wenn das H-Visum meist etwas mehr Flexibilität erlaubt, dafür aber viel seltener ausgestellt wird.

Ist ein Assistenzarzt dann eines Tages mit seiner Ausbildung zu Ende, so läuft das Visum im Regelfall aus und gesetzlich gesehen muß er in seine Heimat zurückkehren und die USA verlassen. Das wollen aber die wenigsten, und so gibt es eine große Zahl an Arbeitsplätzen in denen visumsbeschränkte Fachärzte arbeiten können, um im Laufe von oft drei bis fünf Jahren auf die Grüne Karte und dann eines Tages unter Umständen die US-Staatsbürgerschaft umzusteigen.

Solche Ärzte traf und treffe ich häufig auf meinen Reisen als selbständiger Arzt. Es sind oft jene Ärzte die eine wenig begehrenswerte Arztstelle innehaben, im Regelfall also aus meiner Sicht ausgebeutet werden, die für einen unterdurchschnittlichen Lohn über­durch­schnittlich lange Arbeitszeiten und -belastungen haben, die einen manchmal um bis zu 50% niedrigeren Stundenlohn bei deutlicher Mehrarbeit erhalten.

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Diese Ärzte erinnern mich dann oft an Bilder von illegalen Einwanderern, wie man sie in den USA zuhauf in den Großküchen, auf den Riesenbauernhöfen oder in den großen Fabrikhallen antrifft – müde und abgearbeitete Menschen, etwas wehmütig und traurig dreinblickend.

Haben diese Ärzte dann aber eines Tages die Grüne Karte oder gar die US-Staats­bürgerschaft, dann verwandeln sie sich in stolze, selbstbewußte und gelegentlich gar selbstherrliche Ärzte. Hier nun das Tragische: Oftmals sind es genau diese Ärzte, die dann als Ober- und Chefärzte, als Klinik- und Krankenhausdirektor ausländische Ärzte mit J- und H-Visa einstellen, sie unterdurchschnittlich bezahlen und überdurchschnittlich lang arbeiten lassen – der Kreis schließt sich.

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