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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Geriater in den USA: Weniger Gehalt, aber viel lernen

Dienstag, 17. Mai 2016

Zum 1. Mai 2016 änderte sich mein Leben, denn ich beginne meine Weiterbildung zum Geriater, eine Fachrichtung die man wohl als Seniorenarzt übersetzen könnte, boshaft von einem meiner Freunde als „Rentnerarzt“ bezeichnet, da die vom Geriater behandelten Patienten mindestens 65 Jahre alt sind, meistens sogar jenseits der 80.

Viele meiner in den USA arbeitenden Kollegen konnten diesen Schritte nicht so recht verstehen, denn es zählt ja vor allem das Einkommen bei der Beurteilung wie begehrenswert eine bestimmte Arztspezialisierung ist – da ist der Geriater am unteren Spektrum hinsichtlich des Verdienstes angesiedelt. Man spöttelt unter Kranken­hausinternisten sogar, dass das die einzige Subspezialisierung unter den Internisten sei bei der man nach der Weiterbildung weniger als vorher verdient: Während zum Beispiel ein Kardiologe knapp 380.000 US-Dollar pro Jahr verdient, ein Gastroenterologe ebenfalls um die 360.000 herum angesiedelt ist, ein Krankenhausinternist immer noch knapp 200.000 US-Dollar Jahresgehalt verdient, kommt ein Geriater auf 180.000 US-Dollar, zwar noch immer beachtlich im internationalen Vergleich, aber eben am unteren Spektrum angesiedelt ist wie Haus- oder Kinderärzte. So ist für viele meiner Kollegen klar, dass dieser Schritt eigentlich ein Rückschritt ist, und sie schüttelten monatelang und bestimmt immer noch den Kopf über mein Vorhaben.

Wenn ich es also nicht des Geldes wegen mache, wieso denn dann? Es gibt sehr viele Gründe hierfür, aber neben der von mir stets gesuchten dauernden intellektuellen Herausforderung und des Wunsches nach Vertiefung meines Wissens, schwang sehr stark meine Sorge einer suboptimalen Behandlung gerade bei älteren Patienten mit. Oft wird unter älteren Patienten mehr therapiert und verschrieben, mehr Diagnostik und Interventionen betrieben als nötig ist, dabei nicht nur zulasten eines abstrakten Budgets, sondern vor allem zu Ungunsten des einzelnen Patienten, der dann mit Nebenwirkungen behaftete Medikamente einnimmt und sich nicht so recht von seiner Operation erholt. Gerade hier besteht Nachholbedarf und angesichts Millionen an alten Menschen in Deutschland, den USA und vielen anderen westlichen Ländern liegt vieles im Argen, und mein Ziel ist es als Arzt da besser zu werden.

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Deshalb also trete ich die Stelle als Assistenzarzt zum 1. Mai an, nehme hin, dass mein Gehalt auf knapp 50.000 US-Dollar Assistentengehalt abgesenkt wird, dass ich in eine Hierarchie bestehend aus Assistenzarzt (ich) und Ober-, bzw. Chefarzt eingebunden bin, dass ich in aus meiner Sicht ineffiziente Universitätsabläufe wieder eingebunden bin, aber dafür viel lerne. Es ist ja nur ein Jahr bis zum Facharzt des Geriaters, spannend wird es auf Fälle. 

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Avatar #683550
nzelective
am Sonntag, 29. Mai 2016, 17:11

Antizyklisch

Finde ich eine gute Idee. Die Letzten werden die Ersten sein.
LNS
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