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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Können Kartoffeln den Blutdruck steigern?

Donnerstag, 2. Juni 2016

Kartoffeln gelten hierzulande als gesund. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betrachtet sie als Teil einer vollwertigen Ernährung. Denn Kartoffeln seien reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen, sie enthalten kaum Fett sowie wenig Kalorien. Wenig Fett und wenig Kalorien? Das gilt nur für Speisekartoffeln, wenn sie gekocht serviert werden. Als Pommes frites oder als Chips sind Kartoffeln alles andere als gesund.

Da dies in vielen angelsächsischen Ländern die häufigste Zubereitungsform ist, werden Kartoffeln dort von Ernährungsexperten weniger geschätzt. Salz und Fettgehalt machen Pommes frites oder Chips nicht gerade zu einem gesunden Nahrungsmittel. Hinzu kommt der hohe Gehalt an leicht aufschließbaren Kohlenhydraten (der auch auf gekochte Kartoffeln zutrifft): Kartoffeln haben einen hohen glykämischen Index: Es kommt nach dem Verzehr zu einem raschen Anstieg des Blutzuckers, der eine erhöhte Insulinantwort notwendig macht. 

In US-Schulen wurden Kartoffeln deshalb lange Zeit selten serviert. Das Gesetz „Healthy, Hunger-Free Act“ von 2010, das die Zusammensetzung des Schulkantinen-Essens festlegt, sah maximal eine Kartoffelmahlzeit pro Woche vor. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. Der hohe Gehalt an Kalium, das anders als Natrium den Blutdruck nicht erhöht, gehörte in einer Untersuchung des Institute of Medicine zu den wichtigsten Argumenten für häufigere Kartoffelmahlzeiten.

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Dem widerspricht jetzt eine Untersuchung des Brigham and Women's Hospital in Boston. Lea Borgi und Mitarbeiter haben die Daten der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study ausgewertet. Bei den 187.453 Männern und Frauen, die zu Beginn der Studie noch keinen Bluthochdruck hatten, war der häufige Verzehr von Kartoffeln mit einem leicht erhöhten Risiko auf die Entwicklung eines Bluthochdrucks assoziiert. 

Personen, die viermal oder häufiger Kartoffeln (gebacken, gekocht oder als Brei) in der Woche verzehren, erkrankten später zu 11 Prozent häufiger an einer arteriellen Hypertonie als Personen, bei denen Kartoffeln selten (weniger als einmal pro Monat auf den Tisch kamen. Die Hazard Ratio von 1,11 war damit gering und mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,96 bis 1,28 auch nicht signifikant.

Auch für Pommes frites, die aufgrund des hohen Salzgehaltes schon eher den Blutdruck erhöhen sollten, fiel die Hazard Ratio mit signifikanten 1,17 (1,07-1,27) eher mager aus. Ernährungsexperten hätten hier eine stärkere Assoziation erwartet. Und Kartoffel-Chips schützten mit einer Hazard Ratio von 0,97 (0,87-1,08) sogar tendenziell vor einer arteriellen Hypertonie. Auf weitere Einzelergebnisse einzugehen – die Assoziationen gehen einmal in diese und einmal in die andere Richtung – lohnt sich nicht. 

Die Studie zeigt, dass das Instrument von prospektiven Beobachtungsstudien nur sehr bedingt in der Lage ist, risikoreiche Nahrungsmittel zu identifizieren. Die Studie dürfte deshalb keine Konsequenzen haben. Weder auf das Essen in amerikanischen Schulkantinen, noch auf die Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en für Hypertoniker. Diese können Kartoffeln weiterhin mit gutem Gewissen verzehren.

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