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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Bewegungsmangel fast so schlimm wie Rauchen

Freitag, 29. Juli 2016

Die meisten Erwachsenen fahren morgens mit Auto, Bus oder Bahn ins Büro, wo sie acht Stunden im Sitzen verbringen, bevor sie abends mit den gleichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren, um den Abend vor dem Fernseher sitzend ausklingen zu lassen.

Dass diese sitzende Lebensweise nicht unbedingt die Gesundheit fördert, ist lange bekannt. Schon 1953 berichteten britische Forscher, dass die Londoner Busfahrer, die ständig sitzen, häufiger am Herzinfarkt sterben als die Schaffner, die im gleichen Fahrzeug herumgehen, um das Fahrgeld zu kassieren (Lancet 1953; 265: 1053-57).

Die Schaffner waren körperlich vermutlich fitter, und bereits ein kleines Plus in der Lungenfunktion kann ausreichen, um im Alter Krankheiten besser zu überstehen. Dies lassen die Ergebnisse einer schwedischen Langzeitstudie vermuten, die 1963 eine Gruppe von 656 Männern im Alter von 54 Jahren auf den Ergometer setzte und die maximale Sauerstoffaufnahme im Zustand der Ausbelastung (VO2max) bestimmte. Inzwischen sind die Teilnehmer der Studie gestorben, doch jene mit der höchsten VO2max hatten ein signifikant niedrigeres Risiko auf einen vorzeitigen Tod als andere. Der Einfluss eines niedrigen VO2max auf die Mortalität war mit einem Wert von 15,3 im Wald-Test größer als ein erhöhter Blutdruck (6,8) oder ein erhöhter Cholesterinwert (9,3). Nur Rauchen (31,4) war in der Studie noch schädlicher als ein niedriger VO2max (European Journal of Preventive Cardiology 2016; doi: 10.1177/2047487316655466).

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Um die negativen Folgen des Bewegungsmangels für die Gesundheit abzuwenden, muss man nicht zum Profisportler werden. Schon eine Stunde am Tag, die man mit einem etwas schnelleren Gang mit 5,6 km/h oder Radfahren mit 16 km/h verbringt, könnten nach einer aktuellen Meta-Analyse ausreichen, um den Bewegungsmangel am Arbeitsplatz auszugleichen (Lancet 2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)30370-1). Wer also den Weg zur Arbeit zu Fuß oder auf dem Fahrrad zurücklegen kann, könnte sich einen Vorteil verschaffen (sofern er dabei sichere Radwege benutzen und stark abgasbelastete Straßen vermeiden kann).

Der Staat ist nach einer ökonomischen Analyse gut beraten, die körperliche Bewegung seiner Einwohner zu fördern. Denn allein die Behandlungskosten für Patienten, die infolge von Bewegungsmangel an Koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, Brustkrebs und Darmkrebs erkranken, betragen laut der aktuellen Schätzung umgerechnet 67,5 Milliarden US-Dollar im Jahr. Davon ließen sich einige Rad- und Gehwege bauen oder auch Rolltreppen und Lifte aus Gebäuden entfernen (Lancet 2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)30383-X).

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 31. Juli 2016, 12:04

Jeder weiß,

dass die LANCET STUDIE von 1953, bei der Londoner Busfahrer, die ständig sitzen, häufiger am Herzinfarkt sterben als Schaffner, die im gleichen Fahrzeug herumgehen, um das Fahrgeld zu kassieren (Lancet 1953; 265: 1053-57) rein retrospektiv und nicht mal randomisiert war.

Tatsache ist, wenn Rauchen, Alkoholmissbrauch, Fehlernährung und Bewegungsmangel-bedingtes Übergewicht zusammentreffen, potenzieren sich die Krankheitsrisiken!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund



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