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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Eine bezahlte aber arbeitslose Ärztin

Montag, 19. September 2016

Dem Veteranensystem wird seit Jahren vorgeworfen, eine Einrichtung mit großen Geldausgaben bei niedriger Effizienz und Leistungsfähigkeit zu sein. Der republi­kanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erregt seit Monaten schon Aufmerksamkeit wenn er auf diese Mißstände hinweist und stellte seinen Zehn-Punkte-Plan zur Verbesserung vor: http://www.politico.com/story/2016/07/trump-veterans-affairs-plan-225377.

Tatsächlich wird dem aufmerksamen Beobachter schon beim Gang durch Einrichtungen des Veteranensystemes ineffiziente Prozesse bewußt: Zum Teil langsam arbeitende Angestellte, mancherorts unter-, andernorts überbesetzte Stellen, Angestellte mit übedurchschnittlichen Pausenlängen oder Renovierungsarbeiten die sich über Monate und Jahre hinziehen. Vieles wirkt suboptimal strukturiert, böse Zungen sprechen von Geldverschwendung.

Ich möchte nun ein konkretes Beispiel auf ärztlicher Ebene vorstellen: Es wurde vor drei Monaten eine neue Kollegin für die Praxisarbeit eingestellt. Sie soll bis zu 12 Patienten täglich zwischen 8 und 16:30 Uhr sehen, was kein sonderlich hohes Tempo darstellt, außerdem enthält ihre Arbeitszeit Pausen und Zeit für administrative Tätigkeiten. Seit drei Monaten erhält diese Kollegin also volles Gehalt, von mir auf 180.000 US-Dollar per annum geschätzt, aber da ihr keine Krankenschwester zur Verfügung gestellt wurde, kann sie keine Patienten sehen. So kommt es, dass sie zumeist daheim bleibt und wenn sie einmal dann doch in die Praxis kommt, so sieht sie mir oder meinem Chef zugeteilte Patienten – aber die meiste Zeit sieht man sie einfach nicht.

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Übrigens spart sie sich ihren Urlaub (26 Tage) und ihre Krankentage (13 Tage) an, weil sie in wenigen Monaten ein Kind erwartet – man kann davon ausgehen, dass sie wohl bis zum Ende des Jahres ein volles Gehalt bei nur minimaler Patiententätigkeit erhalten haben wird, obwohl es einen Mangel an Ärzten und eine Vielzahl an noch zu betreuende Patienten gibt.

Dabei gäbe es so viele Lösungen für dieses Problem – aushilfsweise Patienten sehen in einer anderen Praxis in einer Nachbarstadt, kurzfristige Einstellung einer Kranken­schwester, Übernahme ihrer Aufgaben durch die Ärztin usf. – aber das scheitert fast immer an den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Der Weg des gesetzlichbedingten Nichtstuns führt wie so oft zur staatlichen Geldverschwendung.

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