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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Wie ein Activity Tracker eine Diät ausbremste

Donnerstag, 22. September 2016

Die kleinen Geräte werden als Stirn- oder Armband getragen, sie sind an der Kleidung befestigt oder auf die Haut geklebt. So genante Activity Tracker können alle möglichen Körperfunktionen messen – von der Anzahl der Schritte über Puls und Sauerstoff­sättigung bis hin zu EKG, EMG und EEG. Technisch ist vieles möglich. Einige Geräte übermitteln die Daten per Bluetooth ans Smartphone und von dort an ein Rechen­zentrum. Der Kunde erhält dann eine Rückmeldung über seine sportliche Aktivität.

Das klingt gut, doch der Nutzen der meisten „Wearables“ ist nicht geprüft. Ob sie mehr sind als ein Gadget, das nur auf ein vorübergehendes Interesse stößt, ist unklar. Es ist sogar möglich, dass das Gegenteil von dem erreicht wird, was der Hersteller verspricht. So geschehen in einer Studie der Universität Pittsburgh. John Jakicic und Mitarbeiter hatten ein Diätprogramm für übergewichtige junge Erwachsene entworfen. Die Teil­nehmer wurden auf eine kalorienreduzierte Diät gesetzt, und sie wurden dazu motiviert, sich mehr zu bewegen. Einige Teilnehmer erhielten im Rahmen der Studie den Activity Tracker „FIT Core“ des Herstellers BodyMedia (inzwischen Jawbone). 

Das von der FDA zugelassene aber inzwischen vom Markt genommene Oberarmband misst Hauttemperatur und elektrischen Leitungswiderstand der Haut (als Maß der Schweißbildung), dazu mit einem Akzelerometer die Bewegungen des Arms. Laut Herstellerangabe wurden pro Minute 5.000 Daten gesammelt und zentral ausgewertet. Der Nutzer erfährt, wie viel er sich bewegt und wie viele Kalorien er verbraucht hat. Im Prinzip ein ideales Hilfsmittel, das die Motivation der Teilnehmer fördern und die Gewichtsreduktion erleichtern sollte.

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Doch am Ende hatten die Nutzer von FIT Core 2,4 Kilo weniger abgenommen als eine Kontrollgruppe. Wie dies geschehen konnte, ist unklar. Studienleiter Jakicic vermutet jedoch, dass der Activity Tracker die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu sehr auf den sportlichen Aspekt des Diätprogramms gerichtet haben könnte.

Dass sie sich auch dann beim Essen zurückhalten müssen, wenn sie ein Sportpro­gramm absolvieren, hatten einige möglicherweise übersehen. Der eine oder andere könnte durch die Erfolgs­meldung des Activity Tracker auch dazu motiviert worden sein, sich durch die eine oder andere Zwischenmahlzeit zu belohnen.

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