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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Wann sollten Patienten mit beginnender Demenz den Führerschein abgeben?

Montag, 24. Oktober 2016

Aufmerksamen Lesern der Lokalpresse kann nicht entgehen, dass immer wieder Senioren Unfälle verursachen, weil sie Gas und Bremse verwechselt haben. In den Berichten hat dies spektakuläre Folgen wie den Beinahesturz aus der Hochgarage oder die Zerstörung eines Friseursalons. Es dürfte sich also nur um die Spitze eines Eisbergs handeln, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland etwa 1,5 Millionen Demenzkranke gibt. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung wird sich (hoffentlich) kein Patient mehr hinters Steuer setzen. Die Erkrankung beginnt jedoch schleichend, die ersten Symptome treten in der Regel zwei bis vier Jahre, bevor die Erkrankung beginnt, auf.

In diesem Fall ist der Hausarzt häufig der erste Ansprechpartner der Angehörigen. Kraft seiner Erfahrung und mithilfe eines Tests sollte es dem Mediziner doch gelingen, eine Fahrprognose abzugeben. So einfach ist dies jedoch nicht. Joanne Bennett von der Macquarie University in Sydney hat die Ergebnisse von 28 Studien ausgewertet, die die Ergebnisse verschiedener Tests mit den Fahrleistungen der Senioren verglichen haben. Ihr Fazit: Es gibt derzeit keinen Test, mit dem sich die Fahrtüchtigkeit zuverlässig vorhersagen lässt.

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Der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der im klinischen Alltag zum Screening-Verfahren auf kognitive Defizite verwendet wird, wurde am häufigsten untersucht. Eine positive Assoziation mit der Fahrtüchtigkeit wurde nur in 14 von 25 Studien festgestellt. Bennett rät von der Verwendung ab. Selbst eine Batterie mehrerer Tests (die irgendwann das Zeitbudget des Arztes sprengen) dürfte nur eine Genauigkeit von 77 Prozent erreichen.

Bennett fordert eine Genauigkeit von mindestens 80 Prozent, sonst würden zu viele Patienten, die sich noch im Straßenverkehr zurechtfinden, zu unrecht vom Straßen­verkehr ausgenommen. Laut Bennett gibt es derzeit keinen Test, der ausdrücklich zur Feststellung der Fahrtüchtigkeit entwickelt wurde. Es stellt sich aber die Frage, ob die Fahrtüchtigkeit überhaupt in der ärztlichen Praxis geprüft werden kann. Einfacher wäre es vermutlich, die Senioren zu einem Fahrtest auf einem sicheren Gelände einzu­laden.

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