Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Der Arzt entscheidet

Mittwoch, 2. November 2016

Das Gespräch mit einem Krankenhausdirektor liegt nur wenige Tage zurück. Ohne Vorwarnung war er in mein Büro hineingekommen und hatte mich, nicht zum ersten Mal, gefragt, ob ich nicht Lust hätte ab nächstem Jahr als Krankenhausinternist für ihn zu arbeiten – ein informelles, aber mit Sicherheit sehr realistisches Stellenangebot.

Das von ihm geleitete Haus ist dabei nicht sonderlich groß, aber sehr leistungsfähig. Mit den ärztlichen Kollegen rede ich sehr detailliert über interne Angelegenheiten und somit kenne ich die Details solch einen Vertrages und weiß, dass sie gut sind, aber in meiner Ehrlichkeit und Direktheit lehnte ich zunächst ab, auf aktuelle Vorstellungsgespräche mit der Mayo-Klinik und mit anderen Krankenhäusern innerhalb des sehr großen Mayo-Gesundheitssystemes verweisend, auch darauf, dass es Arbeitsangebote vom Universitätsklinikum Vanderbilt gebe.

Das Gespräch drohte hiernach zu versanden, er stand schon einige Male auf, doch nach einigem Nachfassen von meiner Seite kamen wir wieder auf ein potenzielles Arbeitsangebot zu sprechen, und wir vertieften das Gespräch, in dem ich über meine Vorstellungen redete. Der größte Knackpunkt ist aus US-Sicht, dass ich Teilzeit arbeiten möchte, was viele für einen Mann als extravagant betrachten, und der Direktor fragte mich deshalb, ob diese Vorstellung realistisch sei. „Natürlich, es gibt diverse Angebote“, wie ich aufrichtig und ernst ihm dann erzählte.

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Von da an ging es dann ins für ihn Persönliche und von seinen Schwierigkeiten, seine offene Stelle zu besetzen, wie anstrengend es sei, einen guten Arzt für das Krankenhaus zu finden. „Sie als Arzt haben alle Möglichkeiten, sitzen im Fahrersitz und können sich die Stelle aussuchen“, wie er nüchtern und realistisch meine Gedanken aussprach. Tatsächlich ist das der Stand des Jahres 2016: Es gibt einen deutlichen und greifbaren Mangel an Ärzten, in meinem Fall an Internisten, und der Arbeitsmarkt könnte kaum besser derzeit sein. Das fühlt sich gut an.

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