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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Smart­phone-Forschung: Junge „Wochenend­krieger“ leben gesünder

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Die meisten Besitzer von Smartphones sind, ohne es zu wissen, wandelnde Forschungsstationen. Ihre Hosentaschen-Computer sind ausgerüstet mit einem Akzelerometer, der Beschleunigungen misst, und einem Gyroskopen, der Drehbewegungen registriert. Es gibt Detektoren für Licht, Magnetfeld und Luftdruck, ganz zu schweigen von der Möglichkeit Bilder und Töne aufzuzeichnen. Die Messergebnisse können gespeichert und über WLAN oder Mobilfunk weitergeleitet werden. Nebenbei können die Besitzer der Smartphones Fragebogen zu ihren Lebensgewohnheiten ausfüllen und auf Wunsch gezielte Übungen durchführen.

Forscher der Stanford Universität haben im März 2015 ein kleines Programm in den App Store des iPhones gestellt. „MyHeart Counts“ lud die Nutzer ein, an einer Gesund­heitsstudie teilzunehmen. Und obwohl die App keine direkte Belohnung versprach, hatten sich bis Oktober 2015 insgesamt 47.109 die kostenlose App nicht nur heruntergeladen, sondern auch ihre Bereitschaft für die siebentägige Studie signalisiert. Die meisten verloren zwar schon nach wenigen Tagen das Interesse und ganze 4.552 absolvierten auch den 6-minütigen Gehtest am Schluss der Studie. Den „Heart Age“-Fragebogen, der die Eingabe der Blutfette erforderte, füllten nur 1.334 Teilnehmer vollständig aus.

Dennoch: Die hohe Akzeptanz war erstaunlich, wenn man bedenkt, wie hoch der Aufwand ist, der normalerweise für größere Kohortenstudien betrieben werden muss. Wie sinnvoll die Ergebnisse sind, mag dahingestellt bleiben. Die Zusammensetzung der Studienteilnehmer war keineswegs repräsentativ für die Bevölkerung. Das Durch­schnittsalter war 36 Jahre und 82 Prozent der Teilnehmer waren männlich. Bezogen auf diese Gruppe junger Smartphone-affiner Menschen konnte das Team um Euan Ashley von der Stanford University School of Medicine doch einige interessante Beobachtungen machen.

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Dazu gehört die Existenz von sogenannten „Wochenendkriegern“. Sie beschreibt eine Gruppe junger Menschen, die sich unter der Woche kaum bewegen, am Wochenende jedoch den Sportler in sich entdecken. Dieses Bewegungsmuster entspricht nicht den Empfehlungen der Gesundheitsforscher, die täglich zu 30 bis 45 Minuten Bewegung raten.

Die Befragungen ergaben jedoch, dass die Wochenendkrieger seltener unter Brustschmerzen, Diabetes, Herzerkrankungen oder Gelenkschmerzen leiden. Es könnte deshalb durchaus akzeptabel sein, die Empfehlungen zu ändern und sportliche Aktivitäten am Wochenende zu fördern. Die Evidenz einer Querschnittstudie mit einer sehr selektierten Gruppe ist allerdings gering. Für ältere Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte es weiter günstiger sein, sich täglich zu bewegen, statt sich am Wochenende zu überfordern. 

Eines scheint jedoch gewiss: Die Leichtigkeit, mit der über das Smartphone Daten zum Gesundheitszustand abgefragt werden können, dürfte dazu führen, dass dieses Instrument trotz der Schwächen in Zukunft häufiger eingesetzt wird.

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