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Vom Arztdasein in Amerika

Magenspiegelung zu fünfzehnt

Donnerstag, 5. Januar 2017

Der Sohn einer Kollegin hat eine eosinophile Ösophagitis, eine Erkrankung, bei welcher bestimmte Immunzellen die Speiseröhre schädigen, die aber mit moderner Medizin gut therapierbar ist. Sie erfordert jedoch nicht nur regelmäßige Medikamenteneinnahme, sondern auch häufige Arztbesuche und gelegentliche Magenspiegelungen.

Eine Magenspiegelung, beziehungsweise fachlich als Ösophagoduodenoskopie (ÖGD) bekannt, ist ein nur wenige Minuten dauernder Routineeingriff, bei dem ein langer und dünner Schlauch mit einer Videokamera an seinem Ende entweder über die Nasen- oder die Mundhöhle via Speiseröhre in den Magen und gegebenenfalls etwas weiter in den Zwölffingerdarm ein- und vorgeschoben wird. Der untersuchende Arzt braucht im Regelfall mindestens eine, manchmal zwei Assistenten, um dem Patienten Beruhigungs­mittel zu verabreichen und damit ihm Werkzeuge während der Untersuchung gereicht werden können.

Meine Kollegin und ihr Sohn kamen also für diesen Routineeingriff in eine US-Praxis, denn er wurde ambulant durchgeführt. Zunächst wurden sie am Empfang von der Empfangsdame begrüßt und gebeten, sich hinzusetzen. Dann kam eine zweite Person, um ihnen einige auszufüllende Dokumente zu reichen und ihnen Hinweise für das richtige Ausfüllen zu geben. Als dritte Person trafen sie, noch im Wartebereich sitzend, auf eine in der Verwaltung Angestellte, die mit ihnen ihre Krankenversicherung und zu erwartende Kosten besprach, gefolgt dann von einer Phlebologin, jener Person, die dem jungen Patienten Blut vor der Untersuchung entnahm.

Nun wurden sie von einer fünften Person, nachdem sie erneut einige Zeit gewartet hatten, aufgerufen und das Gewicht und Größe nachgemessen, um die richtige Medikamentendosierung zu gewährleisten. Die Krankenschwester, Person Nummer sechs in dieser Aufzählung, bestimmte dann den Blutdruck, Herzschlag, Sauerstoff­sättigung und Temperatur, ehe dann der Anästhe­sist mit dem Patienten und seiner Mutter die zu verabreichende Anästhesie besprach, also Person Nummer sieben.

Nun kam der Arzthelfer des Gastroenterologen hinzu und füllte die Aufklärung zusam­men mit Mutter und Patient aus, und hiernach warteten sie auf die neunte Person, dieses Mal eine andere Pflegeassistenz, die sie in das eigentli­che Untersuchungs­zimmer begleitete, das Vorhandensein des unterschriebenen Aufklärungsbogens, des Anästhesiedokumentes, der Blutwerte und Vitalparameter überprüfte.

Danach trat eine andere Krankenschwester, also Person Nummer zehn, hinzu, erklärte, was nun bevorstand, dokumentierte erneut Blutdruck, Puls, Sättigung und Temperatur und wartete dann auf Person elf, den eigentlichen Untersucher und Gastroenterologen, der dann in den Raum trat. Person Nummer zwölf brachte das Untersuchungsgerät. Während der Gastroenterologe kurz hinaustrat, kam der Anästhesist hinein, der Zugang wurde gelegt, das Sedierungsmedikament gegeben und die Untersuchung begann, wobei zwei Krankenschwestern, ein Anästhesist, ein Gastroenterologe, eine Mutter und der zu untersuchende Patient im Zimmer waren.

Am Ende der Untersuchung gab es einen guten Befund, denn alles sah nach gebesser­ter Speiseröhre aus, die Therapie schien also angeschlagen zu haben. Alle fuhren glücklich nach Hause, während Person 13 und 14 sich um die Geräte, Sterilisierung und das Aufräumen kümmerten und Person Nummer 15 sicherlich schon an der Rechnung arbeitete. So einfach kann ein Patientenbesuch in den USA sein.

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Threshold
am Mittwoch, 11. Januar 2017, 09:16

Amerika - Du hast es besser? xD

Beim lesen stand mir der Mund offen .......
Aber jetzt weiß ich, warum das Beschäftigungsprogramm in den USA greift.
Ruth Helena Lueg
am Samstag, 7. Januar 2017, 08:15

getting sick during holiday in America

in our opinion , in america the medical service is more friendly than in Germany , My husband was suddenly very ill last year in Arizona and had to go to first care emergency , we made an excellent experiences there .thanks to all the people that did help us to recover . God save America , hope that good manners never change !

Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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