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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

USA: Die Verwandlung des Medizinalltages

Donnerstag, 19. Januar 2017

Seit der Republikaner Donald John Trump zum 45. Präsidenten der USA im November letzten Jahres gewählt wurde hat sich vieles in den USA verändert. Es gibt zu diesem Thema mittlerweile eine Unzahl an Artikeln, Radio- und Fernsehsendungen und auch schon erste Bücher werden veröffentlicht.

Die USA scheinen einen isolationistischen Weg einschlagen zu wollen, eine Renationa­lisierung auf diversen Gebieten anzustreben aber auch den Umgang mit vielen internationalen Instituten zu verändern. Mit diesem Politikwandel geht auch eine Verschiebung im medizinischen Bereich einher, so beobachte ich derzeit eine Neusetzung bestimmter Themen und Veränderung von Begriffen, in einigen Monaten könnte sich tatsächlich auch der Arbeitsalltag verändern. Einige mir ins Auge fallende Beispiele will ich dafür nennen.

Als der 44. Präsident der USA, Barak Hussein Obama, im Jahr 2009 eine große Reform des Gesundheitssystemes anstieß, wurde sie unter dem Namen „Patientenschutz- und bezahlbares Gesundheitsgesetz“ („Patient Protection and Affordable Care Act“) offiziell im März 2010 als Gesetz erlassen. Aus diesem Namen leitete sich dann die Bezeichnung „bezahlbares Gesundheitsgesetz“ („Affordable Care Act“, kurz „ACA“) ab mit dem wir Ärzte, aber auch Patienten, Krankenschwestern und Medien über die Veränderungen sprachen.

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Nur ganz wenige Kritiker münzten einen anderen Begriff, das für englische Ohren abfällig klingende Wort „Obamacare“, und wer vor der Wahl von Donald Trump öffentlich „Obamacare“ sagte machte damit eine politische Aussage bei der er sich eindeutig als konservativer oder rechter Republikaner, zumindest aber stark gegen Präsident Obama kennzeichnete.

Doch seit Donald Trump die Präsidentschaft gewonnen hat, wurde der Begriff „bezahlbares Gesundheitsgesetz“, also „Affordable Care Act“, sehr schnell zu den Akten gelegt und mittlerweile wird fast ausschließlich „Obamacare“ gesagt. Selbst sich als progressiv und eher links verortende Fernsehsender wie NBC oder CNN benutzen mittlerweile diesen für sie früheren Kampfbegriff (http://www.cnn.com/2017/01/16/politics/trump-obamacare-slow/index.html). Mit anderen Worten, „Obamacare“ wird voraussichtlich abgeschafft werden und wird in der Mehrheit mittlerweile negativ gesehen, eine radikale Veränderung im Verlauf von nur wenigen Monaten.

Ähnlich ergeht es nicht nur bestimmten Begriffen sondern auch Themenschwerpunkten in der Medizin. Man spricht nun offen über die überhöhten Arzneimittelpreise oder über die finanziellen Schwierigkeiten, so viele früher nicht versicherte Bürger nun versichern zu müssen und auch darüber, welche negativen Konsequenzen das für alle hat. Weiterhin werden die Missstände im Veteranengesundheitssystem zu einem derart hohen Maße selbst innerhalb des Systemes thematisiert, wie ich es von früher her nicht kenne – meiner Meinung nach alles Folgen der Kandidatur und des Sieges von Donald Trump.

Der sprachliche Alltag hat sich für uns Ärzte verschoben und ab dem 20. Januar 2017 erwarten fast alle von uns auch deutliche Veränderungen im Gesundheitssystem. Einige von uns blicken diesen hoffend, andere bangend entgegen, spannend ist es allemal wie ein politischer Sieg tatsächlich den Alltag derart schnell und deutlich verändern kann. 


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Avatar #87253
Aedes
am Freitag, 20. Januar 2017, 21:33

Barak?

Unüblicherweise den vollen Namen verwenden, dann aber falsch schreiben. Naja...

"„Obamacare“ wird voraussichtlich abgeschafft werden und wird in der Mehrheit mittlerweile negativ gesehen."
Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? Mehrheitlich von wem? Ärzten? Patienten? Bürgern?

"Man spricht nun offen über die überhöhten Arzneimittelpreise(..)"
Vorher hat niemand offen über die überhöhten Arzneimittelpreise gesprochen? Sie scheinen in einer netten Blase zu leben.

"(..)oder über die finanziellen Schwierigkeiten, so viele früher nicht versicherte Bürger nun versichern zu müssen und auch darüber, welche negativen Konsequenzen das für alle hat."
Früher nicht versichert? Unter "Obamacare" oder davor?
LNS
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