Das lange Warten

Folgen einer jahrelangen Dialyse

Freitag, 27. Januar 2017

Von Paul Behrend hat man seit längerem nichts mehr gehört. „Ich habe mich gefragt. Was soll das? Es passiert ja nichts mehr“, meint er leicht resigniert. Aber dann habe er sich doch entschlossen, noch weiter über sein langes Warten auf eine Niere zu berichten. Und das scheint kein Ende zu nehmen: „Ich warte immer noch darauf, zur Transplantation eingeladen zu werden und würde mich freuen, wenn diese dann auch erfolgreich verlaufen würde. Langsam wird das ganze Nierenersatzverfahren schwierig, und was die Erträglichkeit angeht, stoße ich an meine Grenzen. Ich würde nicht sagen: Ich kann nicht mehr, aber die Dialyse ist inzwischen sehr beschwerlich für mich geworden.“

Er sei, wie schon mehrfach berichtet, einer der Patienten, die durch die Dialyse eine Polyneuropathie entwickelt hätten. „Und das wird immer schlimmer. An den Füßen habe ich mittlerweile quälende Schmerzen.“ Deswegen habe seine Nephrologin jetzt noch einmal die Medikation umgestellt. „Ich nehme jetzt ein Antiepileptikum ein. Das hat natürlich wiederum auch Nebenwirkungen und führt beispielsweise zu Unkonzentriertheit und Müdigkeit.

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„Dennoch stelle ich jetzt eine deutliche Verbesserung fest. Ich hatte vorher so starke Schmerzen, dass ich häufig die ganze Nacht komplett wachgelegen habe. Das ist so, als wenn Ihnen jemand mit einer Kneifzange ständig an die Zehen geht.“ Obwohl Behrend bisher die Einnahme von Schmerzmitteln immer verweigerte, hätte er jetzt doch 14 Tage lang ein Analgetikum genommen. „Mit diesem Schmerzmittel schlafe ich jetzt immerhin vier bis fünf Stunden durch. Ich muss die Angst vor den Nebenwirkungen und dem Suchtpotenzial eben hintenan stellen.“ Was ihn ängstigt, ist, dass die Polyneuropathie jetzt auch an den Händen beginnt.

Mit der Nachtdialyse mache er nach wie vor gute Erfahrungen, berichtet Behrend weiter. „Sie wirkt sich gut auf meine Laborparameter aus. Ich brauche jetzt überhaupt keine Phosphatbinder mehr, und auch der Blutdruck und die Kaliumwerte sind im grünen Bereich.“ Behrend kann aufgrund seiner Erfahrungen nur jedem, der Zeit für eine längere Dialyse hat, raten, sich für eine Nachtdialyse zu entscheiden. Nachts schlafe man ja meistens, und dann ginge die Zeit auch schneller vorbei.

„Ich hatte ja bereits vorher sechs Stunden Dialyse tagsüber gemacht. Aber das ist schon ein Schlauch, wenn Sie da dreimal die Woche liegen und sich kaum beschäftigen können.“ Und nach der Dialyse brauche er immer Ruhe. „Da war der Tag dann weg.“ Jetzt schlafe er morgens noch einige Stunden, und nach dem Frühstück gegen 9:30 Uhr kann der Tag dann kommen.“ Behrend fühlt sich dann fit und ausgeschlafen.

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Das lange Warten

Das lange Warten

In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Einer von ihnen ist Paul Behrend. DÄ-Redakteurin Gisela Klinkhammer begleitet Behrend während seiner Wartezeit auf eine Niere. Sie berichtet regelmäßig in diesem Blog über das (hoffentlich nicht allzu) lange Warten auf das Organ, wie Behrend psychisch damit umgeht und über seine aktuelle gesundheitliche Befindlichkeit.

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