Das lange Warten

Das lange Warten auf ein Organ: Kampf mit den Nebenwirkungen

Dienstag, 14. März 2017

Bei der Nachtdialyse kämpft Paul Behrend zunehmend mit den Nebenwirkungen. „Ich habe ja bereits letztes Mal erzählt, dass meine Polyneuropathie drastisch zugenommen hat. Trotz verschiedener Mittel, die ich einnehme, kann ich wegen der Schmerzen in den Füßen einfach nicht einschlafen.“ Ein Schüsslersalz und ein Lavendelprodukt hätten ihm dabei zwar anfänglich geholfen, aber „dann ging nichts mehr, und ich habe in Abstimmung mit meiner Nephrologin die Medikamente umgestellt.“

So nehme er seit kurzem anstelle eines Antiepileptikums ein Antikonvulsivum (Pregabalin). In Kombination mit Tilidin, einem Opiat, das er in den Dialysenächten verordnet bekomme, habe er seine Schmerzen damit jetzt ganz gut im Griff. Und seine Angst, dass er davon möglicherweise abhängig werden könnte, konnte ihm die Nephrologin nehmen: „Sie sagte, ich sei 62 Jahre alt. Da könne meine Suchtkarriere jetzt nicht mehr so furchtbar werden. Mit drei Tabletten in der Woche könne da nichts passieren.“

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Allerdings führe das Pregabalin zu einer Beeinträchtigung der Propriozeption. Diese bezeichnet die Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum. Behrend erläutert dieses Problem anhand einiger Beispiele: „Wenn man morgens frühstückt und die Kaffeetasse rechts auf dem Tisch steht, dann wird es einem in der Regel gelingen, diese nicht umzustoßen. Das ist das Körpergefühl, das jetzt zurückgedrängt wird. Ich habe manchmal Phasen, da muss ich mich sogar darauf konzentrieren, ein Glas richtig an die Lippen zu führen.“ Das sei ja noch ganz lustig. Schlecht sei aber, dass sein gelähmtes Bein massiv von diesem Problem betroffen sei. „Ich stehe dann manchmal mit dem Bein im Wohnzimmer und weiß gar nicht, wie ich es nach vorne setzen soll.“

Ein Vorteil der Nachtdialyse seien allerdings seine verbesserten Werte. „Jetzt muss ich nur dann noch einen Phosphatbinder nehmen, wenn ich ein überlebensgroßes Schnitzel esse. Mit einer Tablette bin ich dann in dem Bereich, in dem sich auch Gesunde befinden.“ Sein Kaliumwert habe sich auf einen so niedrigen Stand eingepegelt, dass er darauf gar keine Rücksicht mehr nehmen müsse.

Behrends Fazit: „Ich kann wieder gut schlafen und fühle mich wohl bei der Nachtdialyse. Die Kehrseite der Medaille ist, dass ich dies mir mit einer Einschränkung der Beweglichkeit erkaufe.“

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Das lange Warten

Das lange Warten

In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Einer von ihnen ist Paul Behrend. DÄ-Redakteurin Gisela Klinkhammer begleitet Behrend während seiner Wartezeit auf eine Niere. Sie berichtet regelmäßig in diesem Blog über das (hoffentlich nicht allzu) lange Warten auf das Organ, wie Behrend psychisch damit umgeht und über seine aktuelle gesundheitliche Befindlichkeit.

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