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Gesundheit

Tetris auf der Notfallaufnahme könnte posttraumatische Belastungsstörung verhindern

Freitag, 31. März 2017

Kein anderes Computerspiel kann die visuelle Aufmerksamkeit des Spielers so stark absorbieren wie der Klassiker Tetris. Die Aufgabe, fallende Blöcke aufzurichten, damit sie horizontale Mauerreihen bilden, die dann Platz für neue Reihen machen, ist für das Gehirn so fesselnd, dass die Spieler die Welt um sich herum vergessen. Bei nicht wenigen fallen Blöcke auch nach dem Ausschalten des Spiels noch von oben nach unten und manchen verfolgt die Aufgabe der Mauerbildung bis in den Schlaf. Im schlimmsten Fall wird der Spieler im Alltag, etwa beim Blick auf ein Regal im Supermarkt, an das Spiel erinnert.

Dieser „Tetris-Effekt“ mag im Allgemeinen ein bedenkliches Phänomen sein, doch für Menschen, die gerade einen Unfall oder ein anderes schweres Trauma erlebt haben, kann Tetris möglicherweise helfen. Das Spiel könnte verhindern, dass die Bilder des Unfalls immer wieder als „Flashbacks“ vor dem inneren Auge erscheinen und sich dadurch im Gedächtnis festsetzen, was zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen kann.

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Die Psychologin Emily Holmes vom Karolinska Institut in Stockholm hat die präventive Wirkung von Tetris zusammen mit ihrem Kollegen Lali Iyadurai von der Universität Oxford an einer Gruppe von 71 Unfallopfern getestet, die nach einem Verkehrsunfall am John Radcliffe Hospital in Oxford behandelt wurden. Bei allen Teilnehmern lag der Unfall weniger als sechs Stunden zurück. Dies ist laut Holmes die kritische Phase, in der viele Unfallopfer in Flashbacks den Unfallhergang noch einmal durchleben. Dabei kann es zu einer Konsolidierung im Gedächtnis kommen, die sich später durch eine Psychotherapie nur schwer korrigieren lässt. 

Tetris soll dies verhindern. Für die Studie wurden die Teilnehmer auf zwei Gruppen randomisiert. In beiden Gruppen bat ein Psychologe die Betroffenen, ihnen den schlimmsten Teil des Unfallhergangs zu schildern. In einer Gruppe erhielten die Teilnehmer eine Spielkonsole, auf der sie 20 Minuten Tetris spielen sollten, davon zehn Minuten ununterbrochen. In der Kontrollgruppe erhielten die Teilnehmer eine andere neutrale Aufgabe. 

Beiden Gruppen wurde bei der Entlassung ein Tagebuch ausgehändigt. Dort sollten sie aufzeichnen, wie häufig sie in den folgenden sieben Tagen unbeabsichtigt und aufdringlich an den Unfall erinnert wurden. Diese Ereignisse traten in der Tetris-Gruppe im Durchschnitt 8,73 mal auf, in der Kontrollgruppe jedoch 23,26 mal, also fast dreimal so häufig. Der Unterschied in diesem primären Endpunkt war laut Holmes statistisch hochsignifikant (Effektstärke 0,67; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,18-1,14). 

Ob diese kurzfristige Wirkung die Patienten später vor einer posttraumatischen Belastungsstörung schützen kann, ist unklar. Bei einer Nachuntersuchung nach einem Monat war noch keine Wirkung erkennbar. Die Fallzahl der Studie war zu klein, um zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen. Ein Teilnehmer meinte später jedoch, Tetris habe ihm geholfen, nach dem Unfall auf andere Gedanken zu kommen. Gleich nach dem Unfall Tetris zu spielen sei ihm zwar am Anfang ein wenig seltsam vorgekommen, aber im Rückblick bedankte er sich bei den Psychologen für die Ablenkung.

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