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Pflegers Schach med.

Also Kaffee – mit und ohne Schach!

Montag, 10. April 2017

Nach einer der letzten Ärzteschachmeisterschaften schrieb die Schachwebseite „de.chessbase.com“: „Alle Jahre wieder trifft sich die deutsche Ärzteschaft, um das Skalpell aus der Hand zu legen. Unter erheblichem Zeitdruck wird diagnostiziert, werden neuartige Therapievorschläge entwickelt und sogleich im Selbstversuch angewandt. Was sich anhört wie das Exposé zu einem Science-Fiction-Film, ist tatsächlich das Konzept zur – Ärztemeisterschaft im Schach.“

Gute Diagnose!

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Neben der Freude am alljährlichen Zusammentreffen und Erneuern alter Bekannt- und Freundschaften beziehungsweise dem Knüpfen neuer will jeder natürlich auch – die Welt ist schließlich auch dualistisch – ein möglichst gutes eigenes und bestenfalls für den Gegner unbekömmliches Süppchen kochen.

Der eine bereitet das schon im häuslichen Studierstübchen vor, der andere holt sich im letzten Moment noch am Mädlerschen Bücherstand Anregung, der dritte setzt auf Sport und Spaziergänge – jeder versucht nach seiner Fasson selig zu werden! Doch manch einer stellt sich schon die Frage, ob man dem zuweilen ach so müden Geist nicht noch anderweitig auf die Sprünge helfen kann. Ich denke dabei gar nicht an das sogenannte „elektronische Doping“, den Computer in der Hosentasche, was bei Weltmeisterschaften et cetera in unserer „brave new world“  Kontrollen wie am Flughafen nötig macht, und ich denke auch nicht an Dopingsubstanzen wie Modafinil und Methylphenidat (Ritalin), deren Nutzen, was das Ergebnis angeht, ohnehin höchst fragwürdig ist. 

In meinem letzten Blog berichtete ich über eine Untersuchung der Universität Mainz, welche die Auswirkung verschiedener Gehirnstimulanzien wie Modafinil, Methylphenidat (Ritalin), Kaffee und Placebo (bei dem ja bekanntlich allein der Glaube daran schon wirken kann) auf die Leistungsfähigkeit von Schachspielern miteinander verglich. Eine wichtige und verdienstvolle Studie, die aber auch aufzeigte, dass letztlich jeder „mit seinem eigenen Köpfchen“ (Miguel Najdorf) denken muss.

Und doch will ich noch einmal auf den Spruch des begeisterten Schachspielers Jean Paul zurückkommen, den ich meinem letzten Blog als Motto vorausstellte: „Außer der Philosophie weiß ich kein so gutes Treibmittel fürs Gehirn wie Schach und Kaffee.“

Lassen wir für den Augenblick die Philosophie beiseite, deren nutzbringende Anwen­dung angesichts der Kürze der Zeit bei den Schnellschachpartien ohnehin mehr als zweifelhaft ist. Natürlich heißt das nicht, dass ich ihren Wert überhaupt bezweifeln möchte. Schließlich will ich mir das Wohlwollen von Dr. med. Dieter Hardt mit seinem gastfreundlichen Haus – vom Geiste griechischer, lateinischer (natürlich jeweils im Original) und für Leute meines Schlags, an denen humanistische Bildung weitgehend vorbeigegangen ist, auch deutscher Philosophen durchdrungen – direkt am Bodensee nicht verscherzen.

Also Kaffee – mit und ohne Schach. Am besten mit. Schmeckt gut, befeuert die Kombi­na­tionslust (gelegentlich wohl auch die von weniger geglückten) und soll seit einiger Zeit – wie sich doch auch die medizinischen Moden ändern! – sogar gesundheitsför­dernd sein, wie eine Meta-Analyse von 36 Studien im Fachmagazin Circulation und eine Studie an 25.000 Koreanern in Heart aus dem Jahre 2014 nahelegen. Der langfristige Konsum von vier Tassen Kaffee am Tag wirke sich günstig auf Herzfunktion, Koronarien und Thromboseneigung aus und vermindere damit das Risiko für Infarkte, Embolien und Schlaganfälle.  

Vorbei die schlechte alte Zeit, als ein Onkel von mir vor einer „richtigen“ Tasse Kaffee erst einmal eine Tasse Kaffee Hag für die Gesundheit trank. Vorbei die Zeit, als es im Kinderlied hieß: „C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Caffee – schwächt die Nerven, macht dich blass und krank!“

Vorbei auch die Zeit, als Coffein auf der Dopingliste stand und man beim Genuss von mehr als 20 Tassen Kaffee eine Dopingkontrolle fürchten musste. Dies allerdings nur bei offiziellen Turnieren des Weltschachbunds FIDE, so weit haben wir es mit unserem Ärzte­turnier (noch) nicht gebracht.

Zum Einstimmen noch eine Kombination vom letzten Ärzteschachturnier.

Diagramm

(wKe1, Ta1, Th5, Ld5, Lf6, Ba3, b2, c4, e5, e2, f2, g3, g5; sKg6, Df8, Ta7, Se7, Ba4, b7, c7, d4, f7, g4)

Sehen Sie, wie Dr. med. Franz-Jürgen Schell als Wei­ßer am Zug mit einer hübschen kleinen Kombination (nach Genuss eines doppelten Espresso in der Dia­grammstellung?!) König oder Dame von Dr. med. Horst Heidmann eroberte!

Lösung zeigen

Nach dem Auftaktschach 1.Le4+! wäre 1...Sf5 2.Th6+ Dxh6 3.gxh6 hoffnungslos gewesen. Deshalb zog Schwarz ein Ende mit (Matt-)Schrecken vor, musste aber nach 1...Kxh5 2.0-0-0! Sg6 3.Th1+ die Waffen strecken: 3...Sh4 4.Txh4 matt. 

Leserkommentare

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R.Knickrehm
am Mittwoch, 12. April 2017, 14:08

Also Kaffee – mit und ohne Schach!

Hallo Herr Pfleger, ich hatte den Zug Th8 für Weiß im Sinn. Da die Dame kein Ausweichfeld hat, bleibt Schwarz nur Sg8, dann wäre aber Le4 mit Matt die Antwort. Bliebe Schwarz noch die Deckung der Dame mit Ta8, was unter dem Strich zum Gewinn der schwarzen Dame mit dem weißen Turm führte mit gleichzeitiger Drohung Turm schlägt auf A8 und Läufer auf e7(Springer auch noch fort....)oder habe ich etwas übersehen? Bester Gruß aus Duisburg am freien Mittwochnachmittag Ihr Ralf Knickrehm
ufincke
am Dienstag, 11. April 2017, 23:59

Also Kaffee – mit und ohne Schach!

Ich freue mich auf jeden Beitrag von GM Dr. Pfleger und bedaure auch weiterhin, dass der Artikel nicht mehr in der Printausgabe erscheint.

Pflegers Schach med.

Pflegers Schach med.

Das ehrwürdige Schachspiel übt auf viele Ärztinnen und Ärzte eine starke Faszination aus. Der Arzt und Internationale Schachgroßmeister Dr. med. Helmut Pfleger weiß davon zu berichten – humorvoll, kenntnisreich und mitunter im Wortsinne rätselhaft.

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