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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Smartphone Apps messen Puls unzuverlässig

Freitag, 5. Mai 2017

Zu den neueren technischen Spielereien von Smartphones gehören Apps zur Bestimmung der Herzfrequenz. Wie häufig bei sogenannten Health-Apps leuchtet der Sinn nicht gleich ein. Im Prinzip sollten auch Laien in der Lage sein, den Radialispuls zu ertasten. Die Photoplethysmografie ist jedoch eine wesentlich elegantere Methode. Die hochauflösenden Kameras messen die subtilen Veränderungen in der Hautfarbe, zu denen es beim Durchströmen der Haut mit frischem Blut während der Systole kommt. Das funktioniert durch Auflegen des Fingers auf die rückwärtige Kamera oder beim Blick mit dem Gesicht in die Frontkamera.

Die Qualität der Apps hält aber nicht immer, was die Hersteller versprechen, wie Christophe Wyss von der Herzklinik Zürich bei den Tests von vier Apps an zwei unterschiedlichen iPhones erfahren musste. 

Bei zwei Apps gab es Abweichungen um mehr als 20 Schläge pro Minute von den EKG-Messungen, wobei die berührungslose Messung mit der Frontkamera schlechtere Ergebnisse erzielte als die Kontaktmessung mit der Rückkamera. Die berührungslosen Messungen der Apps kamen meist zu einer höheren Frequenz. 

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Zwei der vier Apps schnitten in den Tests recht passabel ab. Eine konnte sich sogar mit der Pulsoxymetrie messen, die in der Intensivmedizin zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung eingesetzt wird und nebenbei auch die Herzfrequenz bestimmt. 

Warum die Zuverlässigkeit der Apps so stark schwankt, obwohl sie alle die gleiche Technik verwenden, ist unklar. An der Kamera des Smartphones hat es wohl nicht gelegen, da Wyss zwei verschiedene iPhone-Modelle mit Kameras benutzte. Der Kardiologe vermutet, dass die Qualitätsprobleme auf unterschiedliche Algorithmen zurückzuführen sind.

Überprüfen lässt sich dies nicht, da die Algorithmen ein Firmengeheimnis sind (und auch bei einem Update verändert werden können, ohne dass der Anwender darüber informiert wird). Für den medizinischen Einsatz sind die Apps deshalb nicht geeignet. Auch die Anwender dürften die Programme nach dem ersten Aha-Effekt wieder vergessen.

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