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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Anisakiasis: Sushi mit Nachwirkungen

Donnerstag, 8. Juni 2017

Roher Fisch darf in Europa nicht verzehrt werden. Matjesheringe müssen vor dem Einlegen in Salzlake tiefgefroren werden. Auch für Sushi ist die Gefrierkonservierung Pflicht. Was passiert, wenn die Regeln nicht eingehalten werden, hat ein 32-jähriger junger Mann aus Portugal kürzlich erfahren. Nach dem Besuch einer Sushi-Bar erkrankte er mit heftigen Oberbauchschmerzen, Erbrechen und niedrigem Fieber. Nach einer Woche suchte er eine Klinik in Lissabon auf, wo die Ärzte nach einer Anamnese die richtige Verdachtsdiagnose stellten. Bei einer Gastroskopie fischten sie mit einem Fangkörbchen eine Larve von Anisakis simplex aus seinem Magen. Danach ging es ihm sofort besser.

Anisakis simplex ist ein häufiger Parasit von Fischen und die Anisakiasis ist in Japan, wo Sushi häufig aus frisch gefangenem Fisch hergestellt wird, heute noch verbreitet. Früher war sie in den Niederlanden als Heringswurm bekannt.

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Wenn der Parasit nicht entfernt wird, kann es zur Bildung von eosinophilen Granulomen im Darm kommen. Zu den Komplikationen gehören ein Ileus und ein Darmdurchbruch. Bei vorab bestehender Sensibilisierung sind auch akute allergische Reaktionen mit Urtikaria und Anaphylaxie möglich.

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Avatar #612077
EEBO
am Montag, 12. Juni 2017, 21:14

Dank an Dr. Schätzler

für den wunderbar ergänzenden Kommentar!

Was der Herr Blumenstein aus Bad Nenndorf (mit blumiger Website) uns eigentlich mitteilen wollte (ohne jeglichen Beleg für seine Ansichten), bleibt doch etwas unklar.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 9. Juni 2017, 13:06

Anisakiasis 2.0

Eine hervorragende Übersicht zur Anisakiasis findet sich bei Prof. Dr. med. P Altmeyer/Bochum
http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=15219

Anisakiasis ICD10-GM (2016) B81.0

"Definition
Parasitose verursacht durch den Verzehr von Larven der Fisch-Fadenwürmer der Gattung Anisakis und verwandter Spulwurmgattungen (Pseudoterranova descipiens u.a.), mit massiven Oberbauchschmerzen, Nausea und Erbrechen. Seltener sind extraintestinale Lokalisationen wie akute (und chronische) Urtikaria sowie Angioödeme.

Erreger
Anisakis simplex ist ein zu den Nematoden gehörender weltweit vorkommender Fischparasit (Heringswurm), der vor allem Meeressäuger befällt. Der Mensch ist ein Fehlwirt. Die akzidentelle Aufnahme durch rohen oder wenig gegarten Fisch. Es sind drei Arten von Fadenwürmern in Fischen bekannt. Die Art Anisakis simplex gab der Krankheit ihren Namen. Der Fadenwurm kann in rohem Fisch, beispielsweise Sushi oder Hering vorkommen. Die Prävalenz bei Heringen liegt bei rund 70%.

Vorkommen/Epidemiologie
Die Krankheit ist heute relativ selten. Es werden nur wenige hundert Fälle im Jahr bekannt. Hier sind hauptsächlich Länder betroffen, in denen bevorzugt roher Fisch verzehrt wird. Dies ist vor allem Japan.

Klinisches Bild
Im Vordergrund steht die gastrointestinale Symptomatik. Etwa 6-12 Stunden nach der Aufnahme der Larven durch den Verzehr von rohem Fisch tritt i.A. eine Gastroenteritis mit heftigen Bauchschmerzen auf. Auftreten eosinophiler Granulome im Gastrointestinaltrakt. Seltener sind extraintestinale Manifestationen wie akute (und chronische) Urtikaria sowie Angioödeme. Seltener kommt es zum Dünndarmverschluss, Ileitis und Appendicitis."

Nematoden (Fadenwürmer) aus der Gruppe der Helminthes (Würmer) sind in der Medizin als Endoparasiten des Menschen von Interesse.
Wichtigste Vertreter sind:

- Ascarides (Spulwürmer) als Ascaris lumbricoides, dem Gemeinen Regenwurm (Lumbricus terrestris) ähnlich (Europa selten)
- Oxyuren (Madenwürmer) Enterobius vermicularis (weltweit)
- Ancylostoma duodenale als Hakenwurm (Tropen, Subtropen)
- Trichuris trichiura als Peitschenwurm (feuchtwarm, Hygienemängel)
- Strongyloides stercoralis als Zwergfadenwurm (feuchtwarmes Klima)
- Fisch-Fadenwürmer der Gattung Anisakis (sehr selten) usw. usf.


Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

P.S. an "praxis@blunmenstein.de":
Milchkonsum in Deutschland
Verbrauch von Frischmilcherzeugnissen in Deutschland 7,46 Mio. t Pro-Kopf-Konsum von Frischmilcherzeugnissen in Deutschland 90,2 kg
https://de.statista.com/themen/190/milch-milchprodukte/

Was hat das bloß mit Fisch-Fadenwürmern zu tun?
Avatar #716548
praxis@blumenstein.de
am Donnerstag, 8. Juni 2017, 20:46

Denaturierung vermindert Risiken

Aber leider auch den Nährwert der Speisen. Die Weisheit unserer Vorfahren hat zur Pasteurisierung geführt: Den Nährwert der Milch nur so schädigen, wie es absolut nötig ist. Heute ist die Milch zur wertlosen Konserve geworden, die komischerweise auch niemand mehr verträgt. Warum ist Laktose-Intoleranz erst ein Thema seit Gen-Fütterung und ultrafiltrierter Milch?
LNS
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