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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Klimawandel macht schlaflos

Dienstag, 30. Mai 2017

Die zunehmende Erderwärmung bereitet nicht nur Klimaforschern schlaflose Nächte. Auch in der Bevölkerung könnten Schlafstörungen infolge von zu warmen Nächten zunehmen. Bereits im Jahr 2050 könnte es in den USA zu Millionen zusätzlicher schlafloser Nächte kommen, haben US-Forscher jetzt ausgerechnet. Bis 2099 könnte es dann jedes Jahr mehrere hundert Millionen weniger geruhsame Nächte geben. Besonders betroffen wären ärmere Menschen, die sich keine Klimaanlage leisten können, sowie ältere Menschen, die besonders empfindlich auf Wärme reagieren.

Die meisten Menschen schlafen in kühlen Räumen besser. Tatsächlich gibt der Körper beim Schlafen Wärme ab. Die Blutgefäße in der Haut erweitern sich. Viele strecken Arm oder Bein auf die Bettdecke. In heißen Sommernächten kann die Wärmeabgabe gestört sein. Umfragen zeigen, dass Menschen in den warmen Nächten schlechter schlafen. Dies war auch im „Behavioral Risk Factor Surveillance Survey“ erkennbar. Die Centers for Disease Control and Prevention hatten 765.000 Amerikaner unter anderem danach gefragt, wie viele Tage im letzten Monat sie schlecht geschlafen hätten. 

Der Politikwissenschaftler Nick Obradovich von der Harvard Universität hat die Antworten mit der mittleren nächtlichen Temperatur in ihrer Wohngegend in Beziehung gesetzt. Tatsächlich schliefen Menschen in wärmeren Regionen der USA schlechter. Klimaforscher sagen voraus, dass es in Zukunft häufiger zu Nächten mit einer erhöhten Temperatur kommen wird.

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Nach den Berechnungen von Obradovich wird ein Anstieg der nächtlichen Temperatur um ein Grad Celsius zu drei zusätzlichen schlafgestörten Nächten auf 100 Personen und Monat führen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung der USA würde bereits ein einziger Monat mit erhöhten nächtlichen Temperaturen zu neun Millionen schlafloser Nächte führen. Wären alle Nächte des Jahres zu warm, könnte dies im Jahr zu 100 Millionen Nächten ohne ausreichenden Schlaf führen. 

Am stärksten betroffen wären die US-Amerikaner mit einem Jahreseinkommen von weniger als 50.000 US-Dollar, rechnet Obradovich weiter vor. Diese können sich häufig keine Klimaanlage leisten, die die Temperatur im Schlafzimmer auf angenehmere Temperaturen senkt (und durch den dazu notwendigen Verbrauch fossiler Brennstoffe den Klimawandel weiter anheizt). Auch ältere Menschen sind anfälliger für Schlafmangel, der auf vielfältige Weise der Gesundheit schadet.

Obradovich zählt die Folgen auf: Schlafmangel stört die Aufmerksamkeit und vermindert kognitive Fähigkeiten. Die fehlende „neuronale Konsolidierung“ neuen Wissens führt zu Gedächtnisstörungen. Schlafmangel behindert die Reparatur der Skelettmuskulatur und die Entfernung von Stoffwechselschlacken aus dem Gehirn. Unzureichender Schlaf kann auch das Immunsystem beeinträchtigen und den Stoffwechsel stören. Schlafmangel erhöht das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Adipositas. Schlafentzug führt am nächsten Tag zu schlechterer Laune und auf Dauer kann er die Entwicklung von Depressionen und die Suizi­dalität fördern.

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Avatar #107994
Adolar
am Dienstag, 30. Mai 2017, 20:59

Man kann viel ausrechnen.

Und was ist mit den Afrikanern am Äquator? Demnach pennen die garnicht?

Die Damen und Herren Wissenschaftler mögen auch die Anpassungsfähigkeit von Organismen auf wechselnde Umweltbedingungen berücksichtigen, was bei diesen Betrachtungszeiträumen durchaus relevant sein kann. Richtig ist natürlich generell, daß Beeinträchtigungen durch steigende Erderwärmung immer nur die Armen betreffen, während in dem gemäßigten Breiten die "kalten" Industrieländer Energie einsparen und sogar durch bessere landwirtschaftliche Techniken mehr ernten können, während in den heutigen Dürregebieten des Südens dann überhaupt keine Nahrungsmittel mehr produziert werden können.
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