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Pflegers Schach med.

Kein Ärzteschach ohne „Nordlichter“

Mittwoch, 14. Juni 2017

Es ist immer wieder eine Freude, bei den Ärzteschachturnieren Dr. Thomas Georgi zu sehen: herzhaft und zupackend und unzweifelhaft norddeutsch. So wie viele Kinder hierzulande nach ihrer Geburt evangelisch oder katholisch getauft werden, so wurden die seinigen, vier an der Zahl, quasi mit der Geburtsurkunde Mitglieder des Hamburger Schachklubs von 1830. Wahrlich nicht die schlechteste Adresse, immerhin ist der HSK der älteste und größte Schachklub Deutschlands, mit 726 Mitgliedern und 52 Mann­schaften und einem blühenden Schachleben, dem als „pater familias“ seit Urzeiten Christian Zickelbein vorsteht und ihn mit seinem Wissen und Herzblut erfüllt. Zu allem Überfluss erfreut sich dieser von eigenem Schaffen und des Schicksals Mächten geseg­nete Klub obendrein eines eigenen Vereinshauses. Schön geräumig und doch schon, bei all dem Gewusel nicht zuletzt der erfolgreichen Jugendmannschaften, aus allen Nähten platzend.  Kein Wunder, dass solch ein Klub, zusätzlich durch die ganze Georgi-Familie gestärkt, wie die Fußballer vom HSV in der Bundesliga „unabsteigbar“ ist. 

Aber zurück zu Dr. Georgi, in dessen Praxis in Tönning seit Jahr und Tag auf einem Demonstrationsbrett die jeweilige Schachaufgabe aus dem Deutschen Ärzteblatt mit dem entsprechenden Begleittext prangt, und Patienten, sollten sie auch kein Zipperlein haben, schon einmal nur wegen der Schachaufgabe in die Praxis kommen. Vielleicht eine Anregung für Kollegen zur Praxisbindung?!

Nun ist Dr. Georgi nicht der einzige Kollege aus dem hohen Norden, über den sich mein „Südlichtgemüt“ freut. Dr. Christian Bordasch aus Hamburg ist mitsamt seiner Familie einer der treuesten Teilnehmer des Ärzteschachturniers. Auch er, nicht nur der Sprache wegen, „norddeutsch bis ins Mark“. Ein grundsolider Schachspieler, der als Ziel immer 4,5 Punkte aus neun Partien, also 50 Prozent anstrebt. 

Doch was höre ich in diesem Jahr?! Er sei nun seit vier Jahren im Schachklub Hamburg-Norderstedt, spiele in der dritten Mannschaft am sechsten Brett, und trotzdem werde sein Schach nicht besser. Ich versuche ihn damit zu trösten, dass es bei mir trotz meiner nicht geringer werdenden Fußballleidenschaft auch bergab gehe, wobei mein fußballerisches Können (beziehungsweise Nichtkönnen) schon in der Jugend recht bescheiden war. Das Alter eben!

Aber was sehe ich beim Blick in die Tabellen der letzten beiden Jahre? Mit 5,5 Punkten klar über der Zielmarke. Sollte es sich etwa gar um Jammern auf hohem Niveau han­deln? 

Den Abschluss dieses „norddeutschen“ Blogs soll natürlich auch eine entsprechende Begegnung bilden, in der Dr. Konstant Miehe aus Bad Liebenwerda auf Prof. Dr. Eber­hard Schwinger aus Lübeck traf. Gerade Prof. Schwinger ist für mich bei unseren mor­gend­lichen „Schwimmrunden“ während der Turniertage ein sprudelnder und schier unerschöpflicher Quell unterhaltsam vorgetragenen Wissens. Diesmal erfuhr ich bei­spiels­weise, wie er einst als Humangenetiker nach China eingeladen wurde, um neben vielerlei anderen wissenschaftlichen Fragestellungen auch etwas über die mögliche Markierung von Y-Chromosomen durch Fluoreszenz zu berichten. Bis er bemerkte, wohin der Hase lief, nämlich zur vorgeburtlichen Geschlechtsdifferenzierung im Sinne der Ein-Kind-Politik mit möglichst männlichen Nachkommen (an dessen Folgen mit einem Frauenmangel das Land heute leidet), wonach seine Bereitschaft zur Aufklärung und Hilfe schnell auf Null sank. 

Diagramm

(wKg2, De6, Tf7, Th2, Ba2, b3, c4;

sKh8, Dc3, Tb8, Le2, Ba7, c7, c5, d6, g7, h6)

Nun aber Schach.

Es war in beiderseitiger Zeitnot ein hochdramatisches, hin und her wogendes Gefecht mit beiden Königen in großer Gefahr. Hätte Prof. Schwinger als Schwarzer am Zug hier 1...Dd2! (mit der furchtbaren Drohung des Abzugsschachs 2...Lxc4+ mit Damengewinn, aber gleichzeitiger Überdeckung des neuralgischen Feldes h6) gezogen, hätte die Partie nach 2.Kh3 Dc3+ 3.Kg2 remis durch Zugwiederholung enden können.

Doch er zog stattdessen (wenn auch mit der gleichen, gewinnbringenden Drohung 2...Lxc4+) 1...Db2?.

Mit welcher schönen Kombination konnte nun aber Dr. Miehe als Weißer gewinnen?

Lösung zeigen

Der Einschlag 2.Txh6+! zerstörte gewaltsam den Bauernschild um den schwarzen König.

Nach der erzwungenen Annahme des Turmopfers mit 2...gxh6 (2...Kg8 3.Tf2 matt) setzte 3.Dxh6+ Kg8 4.Dh7 matt.

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Das ehrwürdige Schachspiel übt auf viele Ärztinnen und Ärzte eine starke Faszination aus. Der Arzt und Internationale Schachgroßmeister Dr. med. Helmut Pfleger weiß davon zu berichten – humorvoll, kenntnisreich und mitunter im Wortsinne rätselhaft.

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