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Pflegers Schach med.

Schach dem Luther!

Mittwoch, 5. Juli 2017

Fragten Sie sich schon einmal, warum im Ostchor des Naumburger Doms zwei Affen beim Schachspiel zu sehen sind?!

Der Legende nach stritten zwei Domherren darüber, ob Luther mit seiner neuen Lehre dem Papst gefährlich werden könne. Während der eine voller Bedenken glaubte, dass Luther auch im Bistum Naumburg bald Anhänger finde, war sich der andere sicher: „Eher als die neue Lehre nach Naumburg kommt, werden meine Äffchen daheim das Schachspiel erlernen.“

Doch was fand er zu Hause vor? Seine beiden Äffchen ins Spiel versunken vor dem Schachbrett. Tieferschüttert eilte der Domherr zu seinem Amtsbruder zurück, um ihm das Unerhörte mitzuteilen. Zum Andenken ließen sie die schachspielenden Affen als Steinskulptur im Dom verewigen.

Natürlich kam es, wie es kommen musste, Luther fand auch in Naumburg zahlreiche Anhänger ­– und wir machen einen Riesensprung ins Jubiläumsjahr 2017 der Revolution vor 500 Jahren.

Auf dem Marktplatz findet am 20. Mai eine Lebendschachpartie unter dem Motto „Schach dem Luther!“ statt. Mit protestantischen (weißen) und katholischen (schwar­zen) Figuren aus der Reformationszeit. Bei den Schwarzen natürlich der Papst selbst mit Kaiser Karl V. und Johannes Eck vorneweg, bei den Weißen Luther, Melanchthon und Thomas Müntzer et alii.

Wobei man über Luther wissen muss: „Und der Doctor, als ein geübter Schachspieler, nahm’s mit ihnen auf, wobei er bemerkte, daß, wer in diesem Spiel nicht Schaden nehmen wolle, seine Augen nicht in die Tasche stecken dürfe ... Luther mattete seinen Schachgesellen ...“. Offenbar war der Reformator von großer Klarheit und Kampfeslust – im Leben wie im Schachspiel.

Zur Aufführung kommt die 9. Partie des WM-Kampfes Fischer–Spassky 1972 in Reykjavik, die remis endete. Passend zum heutigen ökumenischen Gedanken. Bobby Fischer war bei diesem Spektakel vor zahlreichen Zuschauern der Naumburger Arzt Dr. med. Jens-Frieder Mükke, der dabei von erhöhter Warte aus per Megaphon dessen damalige Züge ansagte: „Einmal Bobby Fischer sein, und das noch auf dem Naum­burger Marktplatz bei herrlichem Sonnenschein – ein Traum!“

Dem friedlichen Ausgang dieser Partie gemäß gibt es allerdings keine Kombinations­stellung für unsere Spalte. Doch Gott sei Dank ist Dr. Mükke nicht nur ein unverdrosse­ner Teilnehmer der Ärzteschachturniere und leidenschaftlicher Sammler schöner Schachspiele, sondern auch ein eifriger Vereinsschachspieler, wobei ihm in dieser Saison für Naumburg in der Oberliga Ost ein besonders wertvoller Sieg gegen Mike Stolz von „Rochade Magdeburg“ glückte, den ehedem stärksten Spieler Sachsen-Anhalts.

Diagramm

(wKf2, Db1, Tb7, Tg1, Le3, Lh3, Se2, Sf3, Bd4, e5, f4, h2;

sKh8, Da2, Tb8, Tf8, Le7, Lh5, Sa6, Sc6, Ba7, d5, f5, g7, h7)

Nach seinem letzten Zug 1.Db1? verließ Weiß „relaxed“ das Brett. Doch nach welcher „schwarzen Bombe“ von Dr. Mükke traute er bei der Rückkehr seinen Augen nicht?

Lösung zeigen

Nach 1...Lh4+! (einen solchen Zug kann man leicht übersehen!) war Weiß verloren.

Sowohl 2.Tg3 Lxg3+ 3.hxg3 Dxb1 4.Txb1 Txb1 als auch 2.Kf1 Dxb1+ sind völlig hoffungs­los. Weiß versuchte noch 2.Sxh4 Dxe2+ 3.Kg3 Dxe3+ 4.Kg2 Dxf4 5.Kh1 Dxh4 (die Figuren fallen wie reife Früchte) 5.Tg1xg7 Lf3+, bevor er aufgab. Im Gegensatz zu Luther wortlos.

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Das ehrwürdige Schachspiel übt auf viele Ärztinnen und Ärzte eine starke Faszination aus. Der Arzt und Internationale Schachgroßmeister Dr. med. Helmut Pfleger weiß davon zu berichten – humorvoll, kenntnisreich und mitunter im Wortsinne rätselhaft.

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