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Global Health

Deutschlands Rolle in der globalen Gesundheitspolitik

Dienstag, 11. Juli 2017

Vorangetrieben durch den Vorsitz Deutschlands bei den G7 und den G20 hat das Land in den vergangenen Jahren sein Engagement im Bereich ‚Global Health‘ deutlich ausgeweitet. Das zeigt sich nicht nur daran, dass die Bundesregierung diesem Bereich auf den Gipfeltreffen eine zentrale Rolle zuerkennt, sondern auch an der Entwicklung der finanziellen Mittel, die hierfür zur Verfügung gestellt werden.

Seit Jahren steigert Deutschland seine Ausgaben für Entwicklungshilfe im Allgemeinen (ODA – official development assistance) und auch für Entwicklungshilfe im Bereich Gesundheit. Bis zum Jahr 2016 hat Deutschland seine ODA-Zahlungen auf über 24 Milliarden US-Dollar pro Jahr gesteigert, die Ausgaben für Entwicklungshilfe im Bereich Gesundheit liegen bei knapp 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr. Während die ODA-Ausgaben damit das UN-Ziel von 0,7 % des Bruttonationaleinkommens gerade so überschritten haben, lagen die Gesundheitsausgaben jedoch noch weit unter der WHO-Empfehlung von 0,1% des Bruttonationaleinkommens.

Der deutliche Anstieg der bereitgestellten Mittel ist sicher positiv, aber wir dürfen uns über die Motive und Hintergründe nicht täuschen. Die SARS-Pandemie 2002/2003, die H1/N1-Influenza-Pandemie 2009/2010 oder die Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika haben uns allen vor Augen geführt, wie gefährdet auch die wohlhabenden Gesell­schaften in einer globalisierten Welt sind.

Im Rahmen des ansteigenden Zustroms von Flüchtlingen und Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten werden die hiermit verbundenen Gefahren durch das mögliche Einschleppen von Infektionserkrankungen genauso diskutiert wie auch die Lebens­bedingungen in den Herkunftsländern und die Schwäche der Gesundheitssysteme als mögliche Fluchtursachen. So ist internationale Gesundheitspolitik ein Teil der Sicherheitspolitik und die Ausweitung der Ausgaben für diesen Bereich folgt weniger allein humanitären Gesichtspunkten oder internationaler Solidarität als nationalem Eigennutz und Selbstschutz.

Diesen Bedenken kommt hinzu, dass die genannten Ausgaben nicht vollständig in den Ländern niedriger und mittlerer Einkommen (low- and middle-income-countries; LMICs) landen. Ein beträchtlicher Anteil verbleibt in Deutschland, unter anderem weil ein Teil der Ausgaben für Flüchtlinge als ODA-Ausgaben deklariert werden kann – im Jahr 2016 waren das mehr als 6 Milliarden US-Dollar und damit ein Viertel der gesamten deutschen ODA-Ausgaben!

Es ist gut, dass Deutschland einen großen Teil – etwa die Hälfte – seiner ODA-Gesundheits-Ausgaben über multilaterale Organisationen wie die WHO, den ‚Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria‘ oder Gavi verteilt, denn so umgeht es der Gefahr (und dem möglichen Vorwurf), diese Ausgaben weniger aus humanitären Erwägungen als aus Eigeninteresse einzusetzen. Glaubhaft kann dieses Vorgehen jedoch nur sein, wenn Deutschland sich auch darüber hinaus für eine Stärkung und Weiterentwicklung dieser Institutionen einsetzt.

Die USA sind seit langem der wichtigste und der größte Global-Health-Finanzier. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten hat jedoch die Verlässlichkeit dieses Partners nachdrücklich infrage gestellt – beispielsweise hat Trump als eine seiner ersten Amtshandlungen jegliche Zahlung staatlicher Mittel an Organisationen, die auch Abtreibungen unterstützen oder durchführen, untersagt.

Vor diesem Hintergrund erscheint die zunehmende Bedeutung Deutschlands in der globalen Gesundheitspolitik und die gewachsene Verantwortung, die es bereit ist zu übernehmen, besonders wichtig. Dieser Bedeutung und dieser Verantwortung kann es jedoch nur gerecht werden, wenn es neben politischen Absichtserklärungen und der Hervorhebung dieses Themas bei internationalen Gipfeltreffen die Finanzierung dieses Bereichs weiter ausbaut. Darüber hinaus wird es aber auch entscheidend sein, dass es der Regierung gelingt, die verschiedenen Akteure und Aktivitäten in diesem Bereich besser als bisher zu strukturieren und koordinieren, sowie eine gesellschaftliche und wissenschaftliche Basis aufzubauen, die diesen Bereich fördern und beleben kann.

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 17. Juli 2017, 13:21

Global Health - falsche Begrifflichkeit

ES GEHT UM DIE KRANKHEIT, NICHT UM DIE GESUNDHEIT!
Es geht nicht um "globale Gesundheit", sondern um weltumspannende Krankheitsbewältigung, Krisenintervention und -Prävention. Gesundheit für alle ist angesichts von Über- und Mangelernährung, Ressourcen-Knappheit an sauberem Wasser, unbelasteten Nahrungsmitteln, Infektionen, Multiresistenz, Krieg, Terrorismus, Fundamentalismus, Migration, Not, Umwelt-Raubbau zur sinnentleerten Absichtserklärung mutiert.

So klingt "Der Schutz vor Gesundheitskrisen" in der G-20 Abschlusserklärung ebenso Medizinbildungs- wie Krankheitsversorgungs-fern. Denn es muss natürlich "der Schutz vor K r a n k h e i t s k r i s e n" heißen.

Weil wir werden nicht von der Gesundheit, sondern von der Krankheit bedroht.

Doch dazu hätte man nur jemanden fragen müssen, der sich damit auskennt: Wir in der Krankheitsbewältigung und Krankenversorgung täglich aktiv tätigen Ärztinnen und Ärzte! Die anderen nageln sich doch nur immer wieder ein vergoldetes Stethoskop an die Wand?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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