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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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„Rhabdo“: Wenn das Indoorcycling den Muskel zerstört

Mittwoch, 23. August 2017

Die Rhabdomyolyse, die vielen Ärzten vor allem als Nebenwirkung von Statinen und Neuroleptika bekannt ist, kann auch bei Freizeitsportlern auftreten, die ihre Muskulatur bei einem intensiven Sporttraining überfordern. Eine neue Risikosportart ist hier das Indoorcycling. Fitnessstudios bieten es jüngeren Menschen als „faszinierendes“ Gruppen­erlebnis an, denen das Training auf dem Hometrainer zu langweilig ist. Unter der Leitung eines Trainers und begleitet durch „fetzige“ Musik, werden die Teilnehmer animiert, für eine Stunde an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen.

Vor allem für Untrainierte ist die Gefahr groß, dass sie ihre Grenzen überschreiten. In der medizinischen Literatur häufen sich derzeit Berichte über Überlastungs-Rhabdo­myo­lyse, in der Sportlerszene auch „Rhabdo“ genannt. US-Mediziner hatten bereits im letzten Jahr im Journal of Sports Medicine and Physical Fitness (2016; 56: 789–793) vor dem Risiko gewarnt. Robert Rothberg von der New York University hatte über 46 Fälle berichtet, von denen 42 nach dem Indoorcycling aufgetreten waren.

Maureen Brogan vom Westchester Medical Center in Valhalla bei New York beschreibt jetzt im American Journal of Medicine (2017; 130: 484–487) drei Einzelfälle von zwei 33-jährigen Frauen und einem nur 20-jährigen Mann, die sich mehrere Tage nach dem Indoorcycling in der Klinik vorgestellt hatten, weil der Muskelkater im Oberschenkel auch nach mehreren Tagen nicht nachgelassen hatte. Die Ärzte stellten eine Schwellung der Oberschenkel fest, begleitet von einer Einschränkung der Bewegungen.

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Die Laboruntersuchung führte schnell zur Diagnose. Neben einem deutlichen Anstieg von Aspartat-Aminotransferase und Alanin-Aminotransferase (die neben der Leber auch in der Muskulatur vorkommen), war vor allem die Kreatinkinase erhöht. Diese Enzyme werden bei der Rhabdomyolyse aus den abgestorbenen Muskelzellen freigesetzt und teilweise über die Niere ausgeschieden. Besonders problematisch ist die Freisetzung von Myoglobin, das die Nierentubuli blockieren und ein akutes Nierenversagen auslö­sen kann.

Ein Drittel der Patienten mit „Rhabdo“ muss dialysiert werden. Die Situation ist für die Patienten nicht ungefährlich, auch wenn alle bisher gemeldeten Fälle bei den jungen Freizeitsportlern offenbar glimpflich ausgegangen sind. Die Sportmediziner raten auch jüngeren Menschen, das Training nicht zu übertreiben und die Leistung langsam zu steigern. Für untrainierte Personen könnte sonst bereits die erste Teilnahme am Indoor­cycling zur Muskelschädigung führen.

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