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Global Health

Lieferengpässe essenzieller Medikamente

Montag, 31. Juli 2017

Mitteilungen aus der Klinikapotheke zu Lieferengpässen von Medikamenten sind im Klinikalltag keine Seltenheit. Oft handelt es sich um Medikamente oder Wirkstoffe, die leicht und unproblematisch durch andere Medikamente ersetzt werden können. Manchmal aber handelt es sich um Medikamente, die einzigartig sind und zu denen es keine direkte Alternative gibt. So ist es bei wichtigen Antibiotika zuletzt zu Liefereng­pässen gekommen – der Wirkstoff Piperacillin war nur eingeschränkt verfügbar und auch Ampicillin, das als Medikament erster Wahl bei vielen bakteriellen Infekten eingesetzt wird, konnte nicht in der Menge geliefert werden, in der es benötigt wurde.

Das Problem ist jedoch nicht nur auf Antibiotika beschränkt. Das Opioid Remifentanil, das aufgrund seines schnellen Wirkeintritts und seiner sehr kurzen Wirkdauer und damit guten Steuerbarkeit besonders im Bereich ambulanter Operationen eingesetzt wird, ist seit Wochen ebenfalls nur eingeschränkt verfügbar.

In der letzten Woche nun hat sich ein neuer Mangel aufgetan. Die Firma Bayer meldete vor einigen Tagen, dass sie in den kommenden Monaten die Versorgung mit intra­venösem Aspirin nicht in ausreichendem Maß wird gewährleisten können. Aspirin!

Auf den ersten Blick erscheint es unverständlich, wie diese Schwierigkeiten bei nicht patentgeschützten vermeintlich allgegenwärtigen Wirkstoffen auftreten können. Und die Ursachen der Engpässe sind vielfältig. Momentan ist die Sache nicht gut zu überschauen, da es nicht einmal eine Verpflichtung der Hersteller gibt, einen Engpass zu melden – dies erfolgt lediglich auf freiwilliger Basis.

Der Mangel an Piperacillin ist aufgetreten, da in China eine Fabrik explodiert ist und dies Auswirkungen auf einen Großteil der weltweiten Wirkstoffproduktion hatte. So wird das Prinzip von Generika ad absurdum geführt, wenn alle Hersteller auf dieselbe Produktion des Wirkstoffes oder anderer wichtiger Vorstufen zurückgreifen müssen.

Für andere Wirkstoffe wurde diskutiert, dass der aufgetretene Engpass nur an der Umstellung der Logistik und die primäre Versorgung von gewinnträchtigeren Märkten in Zusammenhang steht. Im Falle des intravenösen Aspirins hat Bayer Qualitätsmängel in der Produktion genannt, die nicht kurzzeitig zu beheben seien.

Sicher lässt sich über jeden einzelnen Fall länger diskutieren wie dort das Problem aufgetreten sein mag und wie es am besten zu beheben sei. Jedoch zeigen alle diese Beispiele eine grundsätzliche Schwäche des globalen Markts für Medikamente, denn dieser versagt hier offensichtlich wiederholt.

Der Gesundheitssektor ist kein normaler Markt, der sich über Angebot und Nachfrage selbst regulieren kann. Das Grundproblem wird schon daran deutlich, dass ein erhöhter Bedarf an Gesundheitsleistungen meist mit einer eingeschränkten Möglichkeit einhergeht, für diesen Bedarf aufzukommen: Wer krank ist und die Unterstützung des Gesundheitssystems braucht, kann nicht oder nur eingeschränkt arbeiten, also oft nicht ausreichend Geld verdienen, um für die notwendige Unterstützung zu zahlen – das gilt ganz besonders für schwer und chronisch erkrankte Menschen.

Aus diesem Grund haben viele Staaten verschiedene Versicherungssysteme für den Krankheitsfall eingerichtet. Jedoch strukturieren, sichern und regulieren diese Systeme immer nur Teilaspekte des Marktes und so verbleiben viele Abschnitte des globalen Gesundheitssektors ohne besondere Kontrolle oder Regulierung, was der Bedeutung dieses Marktes und seiner Produkte für das Leben einzelner Menschen, deren Überleben von bestimmten Medikamenten abhängt, nicht gerecht wird.

Da die Ursachen der geschilderten Engpässe verschiedenartig und vielfältig sind, wird auch eine Lösung verschiedene Aspekte berücksichtigen müssen. Sicher ist es ein wichtiger erster Schritt, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Informationen über die gemeldeten Engpässe transparent veröffentlicht, denn nur über die öffentliche Diskussion bekommt das Thema die Aufmerksamkeit, die seiner Bedeutung gerecht wird. In dieser Diskussion müssen dann Lösungen erarbeitet werden, die die Ansprüche eines freien Marktes mit den Ansprüchen einer gesicherten Versorgung mit essenziellen Medikamenten bestmöglich vereinen.

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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