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Das lange Warten

Ende des Blogs

Mittwoch, 16. August 2017

Paul Behrend zieht nach seiner Transplantation eine gemischte Bilanz. Was sich leider als Enttäuschung herausgestellt hat, ist, dass er nach wie vor zur Dialyse muss: „Die Diurese ist zufriedenstellend, aber die Entgiftung leider nicht.“ Und eine erneute Trans­plantation ist aus chirurgischen Gründen nicht mehr möglich. Das sei ihm zunächst im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön an die Nieren gegangen, „und ich war sehr nieder­geschlagen“, berichtet Behrend.

Er geht dreimal wöchentlich für jeweils vier Stunden tagsüber zur Dialyse. Das reiche jetzt aus. Vorher hätte er fünf bis sechs Stunden gebraucht. Dass es dann schließlich sogar acht Stunden gewesen seien, hätte an der Nachtdialyse gelegen. „Die wird gar nicht kürzer angeboten.“

Auch mit Nebenwirkungen der Immunsuppression hat Behrend zu kämpfen. „Das betrifft zum Beispiel den Sonnenschutz. Vor der Transplantation musste ich mich fast nie eincremen oder mich vor der Sonne in Sicherheit bringen. Jetzt muss ich mich wegen des erhöhten Hautkrebsrisikos ständig eincremen.“ Außerdem leide er, vor allem morgens an den Händen, an einem recht heftigen Tremor. Das sei so schlimm, dass er sogar seine Kaffeetasse nicht hochheben oder seine Hemdenknöpfe nicht schließen könne.

Inzwischen glaubt Behrend aber dennoch, dass sich das lange Warten gelohnt hat. „Das Organ, das ich bekomme habe, ist ja keine völlige Pleite.“ Deshalb hat er seine Ent­scheidung auch nicht bereut. „Selbst durch die eingeschränkte Tätigkeit meiner Niere kann ich nahezu alles essen und habe gar keine Einschränkungen beim Trinken.“ Er dürfe jetzt beispielsweise auch wieder Kartoffeln, Bananen und Tomaten genießen. „Alles Nahrungsmittel, die ich mir zehn Jahre lang mehr oder weniger verkniffen habe. Jemand, der selbst solche Einschränkungen hat, kann das verstehen. Man denkt immer daran, was man nicht essen darf.“  Zwar werde auch die neue Niere irgendwann ihre Tätigkeit einstellen, doch Behrend hofft, dass er noch eine Zeit lang Freude an ihr hat.

Und mit diesen versöhnlichen Worten will er jetzt auch den Blog beenden: „Ich habe immer dafür gekämpft, doch noch transplantiert zu werden. Und dafür habe ich auch einiges in Kauf genommen. Man könnte denken, dass ich jetzt unzufrieden und unglück­lich bin, weil ich nach wie vor zur Dialyse muss.“ Das sei er zunächst auch gewesen, aber: „Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Wenn er das Organ abgelehnt hätte, hätte er sich sicherlich den Rest seines Lebens gefragt, ob er nicht eine Chance vertan hätte. „Ich empfinde es als positiv, dass ich jetzt nicht mehr über eine Transplan­tation nachdenken muss.“

Jetzt müsse er eben mit den Beeinträchtigungen durch die Dialyse zurechtkommen und das Beste aus seinem Leben machen, ist Behrends abschließendes Fazit.

Er dankt allen Lesern seines Blogs, der mit diesem Eintrag endet.

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EEBO
am Donnerstag, 17. August 2017, 22:27

Danke

für den Blog und alles Gute für die weitere Zunkunft!

Das lange Warten

Das lange Warten

In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Einer von ihnen ist Paul Behrend. DÄ-Redakteurin Gisela Klinkhammer begleitet Behrend während seiner Wartezeit auf eine Niere. Sie berichtet regelmäßig in diesem Blog über das (hoffentlich nicht allzu) lange Warten auf das Organ, wie Behrend psychisch damit umgeht und über seine aktuelle gesundheitliche Befindlichkeit.

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