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Global Health

Von den Millennium Development Goals zu den Sustainable Development Goals

Dienstag, 15. August 2017

Im September 2000 beschlossen die Mitglieder der Vereinten Nationen auf ihrer 55. Generalversammlung, dem sogenannten Millenniums-Gipfel, die Millennium Develop­ment Goals (MDGs). Dieser Katalog setzte konkrete Ziele in den Bereichen Armuts­bekämpfung, Bildung, Gesundheit, Gleichstellung der Geschlechter und ökologische Nachhaltigkeit, die bis zum Jahr 2015 im Rahmen einer globalen Entwicklungs­partnerschaft erreicht werden sollten.

Die Ziele waren ambitioniert. So sollten unter anderem die Anzahl derjenigen Men­schen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, und die Anzahl der­jenigen, die Hunger leiden, halbiert werden, die Sterblichkeitsrate von Müttern sollte um drei Viertel gesenkt werden, die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand kommen und gar eine Trendumkehr hin zu weniger Infektionen erreicht werden, und die Kinder­sterblichkeit der unter Fünfjährigen sollte um zwei Drittel gesenkt werden.

Das Ergebnis nach 15 Jahren war ernüchternd. Zwar konnte die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, im Vergleich zu 1990 halbiert werden (von 1,9 Milliarden Menschen auf 836 Millionen), aber die meisten Gesundheitsziele wurden trotz deutli­cher globaler Verbesserungen verfehlt. Die Kindersterblichkeit unter fünf Jahren konnte nur halbiert werden, die Müttersterblichkeit nur um 45 Prozent reduziert werden.

Trotz dieser Ernüchterung waren die Millennium Development Goals auch ein Erfolg, denn in nur 15 Jahren konnten in allen Bereichen Verbesserungen erreicht werden. Besonders erfolgreich waren die Anstrengungen im Kampf gegen HIV/Aids. So konnte zwischen 2000 und 2013 die Anzahl der Neuerkrankungen von 3,5 Millionen Fällen pro Jahr auf 2,1 Millionen Fälle gesenkt werden. In nur elf Jahren zwischen 2003 und 2014 konnte die Anzahl der HIV-Infizierten, die antiretrovirale Medikamente erhalten, von zunächst 800.000 Menschen auf 13,6 Millionen gesteigert werden.

Eine genaue Betrachtung der Wege, auf denen die Fortschritte erzielt wurden, kann uns helfen, die Ursachen für Erfolg und Misserfolg in den verschiedenen Bereichen zu erkennen und daraus für unsere künftigen Anstrengungen zu lernen. Diese Analyse wird zeigen, dass in verschiedenen Bereichen unterschiedliche Ansätze Fortschritte herbeiführen konnten. Sie wird aber auch zeigen, dass die Erfolge nur durch große Anstrengungen und bedeutende Investitionen erreicht werden konnten.

So wurden die Errungenschaften im Kampf gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose maßgeblich durch milliardenschwere Programme wie den US-amerikanischen President's Emergency Plan For AIDS Relief (PEPFAR) oder die, ebenfalls amerikani­sche, President's Malaria Initiative (PMI), durch den Global Fund to Fight Aids, Tuber­culosis and Malaria und auch durch die Milliarden Fördergelder der Gates-Stiftung ermöglicht. Kleinere Projekte und Programme sowie die Beiträge für Entwicklungs­zusammenarbeit vieler Länder kamen hinzu.

Um das Engagement und die finanzielle Leistungsbereitschaft, die durch die MDGs freigesetzt wurden, aufrechtzuerhalten, vereinbarten die UN-Mitglieder im September 2015 auf dem UNO-Nachhaltigkeitsgipfel siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDG).

Die Mitglieder verpflichteten sich mit dieser Erklärung, bis zum Jahr 2030 konkrete Ziele im Kampf gegen Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit und für Gerechtigkeit, Gesund­heit und Bildung, für Wirtschaftswachstum, akzeptable Lebensbedingungen in den Städten und Zugang zu sanitären Einrichtungen und sauberem Trinkwasser sowie für nachhaltige Energie und für den Klima- und Umweltschutz zu erreichen.

Die Ziele sind ambitioniert und gehen über die Ziele der MDGs hinaus. Wenn man sich die Entwicklungen der vergangenen 15 Jahre anschaut und diese als Maßstab der Entwick­lungen für die kommenden Jahre anlegt, braucht man kein Pessimist zu sein, um die Ziele als utopisch zu beschreiben. Nein, diese Ziele werden bis 2030 nicht erreicht werden.

Und dennoch ist es richtig, dass die Ziele aufgestellt und verabschiedet wurden, denn so liegt ein Katalog der drängendsten Aufgaben für die Entwicklung der Welt in den kommenden Jahren vor. Hilfsorganisationen, humanitäre Stiftungen und Wissen­schaft­ler werden ihre Arbeit nach diesen Zielen beschreiben, aufbauen und untereinander koordinieren, die Öffentlichkeit und die Politik kann diese Arbeiten besser einordnen und verstehen und der Druck auf Staaten und die Menschen in den wohlhabenden Ländern, einen zunehmenden Beitrag zur Entwicklung zu leisten, wird aufrecht­erhalten.

Das Ziel der Vereinten Nationen, das in den SDGs zum Ausdruck kommt, ist die nach­haltige Entwicklung einer gerechten Welt. Auf dem Weg dorthin werden große Anstrengungen und immense Ausgaben benötigt, die besonders für die Entwicklung der Staaten niedriger und mittlerer Einkommen notwendig sind und nicht von diesen allein getragen werden können.

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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