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Was passiert mit uns Ärzten, dass wir es nicht mehr merken?

Freitag, 1. September 2017

Neulich habe ich scheinbar meine Kompetenzen überschritten. Ich sah in meiner Sprechstunde einen rund 90-jährigen Mann, welcher sich wöchentlich bei mir zu einer einfachen Lokaltherapie vorstellte. Da er dafür einen Weg von rund 45 Minuten mit dem Auto auf sich nehmen muss und ein Facharzt meiner Disziplin am Wohnort des Patienten praktiziert, fragte er mich, ob der diese einfache Behandlung nicht auch übernehmen könnte.

In Hinblick auf die Situation des Patienten und der Verhältnis­mäßigkeit der Anreise zur Geringfügigkeit der Behandlungsmaßnahme bestätigte ich dem Patienten, dass der ortsansässige Spezialist (und einer unserer zuverlässigen Zuweiser) diese Maßnahme sicherlich auch fortan übernehmen könnte.

Dies verärgerte meinen Oberarzt dermaßen, dass er mich anwies, den Patienten umge­hend anzurufen und ihm zu sagen, dass er zu uns kommen muss. Zwar konnte ich mein Argument im Sinne des Patienten noch anbringen, tätigte den Anruf letztendlich den­noch widerwillig. Doch war das Kind bereits in den Brunnen gefallen und der Patient ließ sich nicht mehr umstimmen.

Wie ich es auch drehte und wendete, ich konnte in dieser Sache kein patientenorien­tier­tes Motiv meines Vorgesetzten finden. Es waren vielmehr pekuniäre Gründe … wie so oft in dieser Abteilung.

Stellt sich kopfschüttelnd oben genannte Frage,

Euer Anton Pulmonalis.

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 3. September 2017, 03:53

Lieber Kollege "Anton Pulmonalis"

Wenn Sie schon offensichtlich eine eigene "Sprechstunde" in einer Klinik abhalten, was machen Sie konkret dort? Dann wüssten Sie auch, wie alt exakt Ihr "rund 90-jährige(r) Mann (ist), welcher sich wöchentlich bei mir zu einer einfachen Lokaltherapie vorstellte"? Und wenn Sie sich auch noch neben Ihren, hoffentlich medizinisch wohl begründeten, wöchentlichen Interventionen ökonomisierend Gedanken darüber machen, dass "er dafür einen Weg von rund 45 Minuten mit dem Auto auf sich nehmen muss und ein Facharzt meiner Disziplin am Wohnort des Patienten praktiziert", frage ich mich, weshalb sie da zugleich noch Ihrem Oberarzt ob dieser "einfachen Behandlung" ebenso nur und ausschließlich ökonomische Beweggründe unterstellen müssen?

Diese haben Sie ja erst mit: "Wie ich es auch drehte und wendette, ich konnte in dieser Sache kein patientenorien­tier­tes Motiv meines Vorgesetzten finden. Es waren vielmehr pekuniäre Gründe … wie so oft in dieser Abteilung" losgetreten.

Hätten Sie den Mut aufgebracht, dies mit Ihrem Oberarzt persönlich zu besprechen, dass: "In Hinblick auf die Situation des Patienten und der Verhältnis­mäßigkeit der Anreise zur Geringfügigkeit der Behandlungsmaßnahme" Sie selbst, lieber Kollege Anton Pulmonalis, ausschließlich utilitaristisch dachten, hätte Ihr Fachvorgesetzter Ihnen erklären können, dass wiederholte kleinere wöchentliche ambulante Klinik-Konsultationen rein krankenhausökonomisch niemals auch nur annähernd kostendeckend sein könnten.

Stattdessen setzen Sie mit einem völlig abwegige Titel: "Was passiert mit uns Ärzten, dass wir es nicht mehr merken?" ebenso moderne wie unreflektiert unbelegte Mythen bzw. Postfaktisches in die Welt.
Wer nichts mehr merkt, weiß oft einfach nur noch nicht genug.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Ramatuelle/F)
Freudi
am Sonntag, 3. September 2017, 00:10

Warum? Darum!

SOCO10 hat Recht, aber Pharmaindustrie, Lebensmittelindustrie und die Unfallversicherungen (und die Politik!) können auch unser Leben bestimmen, weil(!) wir Ärzte uns einspannen lassen, sicher nicht nur aus Bequemlichkeit, sondern auch aus kommerziellen Gründen....

MF
SOCO10
am Samstag, 2. September 2017, 11:49

Die Gefährdung der Heilkunst durch die Gesetze der Ökonomie

Ich habe dieses Buch gerade zur Rezension erbeten: "Medizin im Würgegriff des Profits"; aber schon alleine der Titel verspricht, dass hier eine der vielen Antworten auf die Frage von Anton Pulmonalis zu finden sind. Im Übrigen: Wir wissen das doch? Warum dieses Entsetzen? Die Pharmaindustrie, die Lebensmittelindustrie und die Unfallversicherungen bestimmen unser Leben. Dass sich Ärzte einspannen lassen, ist doch nicht wirklich neu.
Freudi
am Freitag, 1. September 2017, 20:15

Geld regiert die Welt!

A.P. hat schlicht ökonomisch gehandelt, also tatsächlich nach allgemein ärztlicher Vorschrift! Aber der Oberarzt stellt schlicht das Kommerzielle im Vordergrund! Ethik und Monetik sind schwierig zur Übereinstimmung zu bringen!

Michael Freudenberg
normalerdoktor
am Freitag, 1. September 2017, 19:56

Eine Frage

Lieber Kollege,

was bitte ist eine (einfache) "Lokaltherapie"? Die zudem wöchentlich (über welchen Zeitraum eigentlich?) wiederholt wird?

Für Antwort vielen Dank von einem Ahnungslosen!

Dr. werden ist nicht schwer...

Dr. werden ist nicht schwer...

Das PJ ist überstanden, das Examen rückt näher. Die Doktorarbeit wartet und bei der Wahl der Facharztrichtung gibt es mehr Optionen als bei einer Frage des IMPP. Dieser Blog begleitet den Weg von Anton Pulmonalis ins Examen und in die Zeit danach.

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