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Börsebius

Teufelszeug ETF?

Montag, 18. September 2017

Die folgende Geschichte handelt davon, wie eine an sich gute Idee unglaublich perver­tiert wird und doch so sehr erfolgreich ist, wie nie zuvor.

Vielen Anlegern sind aktiv gemanagte Fonds, weil zu teuer, längst ein Dorn im Auge, und sie sind daher auf der Suche nach preiswerten Alternativen bereits fündig gewor­den ist. Sie wissen vermutlich schon, was ich meine, es geht um sogenannte ETFs, also börsengehandelte Indexfonds (exchange traded funds). Die kosten nur ein Bruchteil eines aktiv gemanagten Fonds (stimmt) und erfreuen sich wachsender Beliebtheit (stimmt leider auch). Mittlerweile reden wir bei ETF über einen Milliardenmarkt mit stark steigenden Tendenzen.

Regelmäßige Börsebius-Leser wissen, dass meine Meinung zu ETFs schon seit Jahren, vorsichtig formuliert, sehr indifferent ist. Viele Fragen von Ihnen bekomme ich zu diesem Thema immer wieder. Darauf will ich gerne eingehen. Nach der Definition kauft ein Indexfonds die Papiere eines Index als Korb, in einem DAX-ETF wären demnach alle DAX-Werte gewichtet vorhanden.

Also: Ja, es stimmt, dass ETFs deutlich günstiger sind, eben auch, weil sie nicht gema­nagt werden. Und schnell über die Börse verkaufen geht auch. Preiswert sowieso.

Aber es stimmt erst recht, dass viele ETFs eben nicht die Aktien des zugehörigen Index im Bestand haben, sondern nur Derivate – also Wetten – vorhalten, die die Index­zusammensetzung vorspiegeln. Hier handelt es sich um sogenannte SWAP-basierte ETFs. Das sind im Übrigen die gleichen Wetten, die zum Zusammenbruch der Lehmann-Bank führten und die Weltfinanzkrise auslösten.

Kritiker wenden dann ein, was ich denn überhaupt wolle, es gebe doch sogenannte physisch replizierende Fonds, wie zum Beispiel „ishares“. Das wären also dann Index­fonds, die tatsächlich die relevanten Werte auch gekauft haben.

Da kann ich nur sagen, ja das stimmt, die physisch replizierenden Indexfonds kaufen tatsächlich die relevanten Aktien. Aber sie verleihen die Titel anschließend und zwar oft nahezu den gesamten Bestand!!! Und jetzt kommt’s: Die Leiherträge gibt der Fonds, wenn überhaupt, nur teilweise an die Anleger weiter. Wer das akzeptiert, einen ETF zu kaufen, der am Ende auch bloß nur noch Forderungen im Bestand hat, die im Zweifel nichts wert sind,  bitte schön.

Dass wir uns bloß richtig verstehen: Wer ETFs gut findet und sich über die Risiken infor­miert hat, soll sie auch kaufen. Ich will hier keinen Anleger überzeugen, der diese Anlageform akzeptiert. Aber ich will schon ausdrücklich darauf beharren, dass die ETF-Branche meines Erachtens mit gezinkten Karten spielt und vermeintliche Sicherheit vorgaukelt, wo keine ist.  Eigentlich müsste der Anbieter eines solchen Produktes Folgendes sagen: „Lieber Anleger, wir verkaufen Dir etwas, was suggeriert, da sei Substanz dahinter. Das stimmt aber nicht, wir haben für Dich nur einen Sack voller Versprechungen geschnürt“. Das war Fall A (SWAP-basierter ETF).  

Und – Fall B – bei einem physisch replizierendem ETF müsste der Slogan lauten: Lieber Anleger, wie tun so, als hätten wir die Aktien im Depot, die den Index abbilden. Das stimmt aber nicht, denn wir haben die meisten Aktien anschließend verliehen und verfügen somit über keine oder wenigstens nur geringe Substanz.“  Ich fürchte aller­dings, dass dergestalt keine Katze aus dem Sack gelassen wird. Im Gegenteil.

Jüngst las ich bei einem ETF-Manager, seine Produkte seien ja schon deswegen „besser“, weil sie billiger seien als die teuren (aktiv gemanagten) Fonds, also fast nichts kosteten. Was für ein seltsamer Vergleich. Also erstens sind im Insolvenzfalle „echte“ Fonds per se besser geschützt und zweitens käme auch keiner auf die Idee, Placebos, „weil sie kaum was kosten“, teureren Medikamenten vorzuziehen. 

Den Beelzebub glaubte früher der gottesfürchtige Mensch am herauslugenden Pferde­fuß aus sonstiger edler Bekleidung zu erkennen.  Heute verbirgt sich das Teuflische hinter wohlklingenden Bezeichnungen, weil total irreführend. Nur nach Pech und Schwe­fel riecht es beim Kauf eines ETF nicht. Aber das kann ja noch kommen. Am Tage X.

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