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Patient spielt Saxophon, während Chirurgen seinen Hirntumor entfernen

Donnerstag, 21. September 2017

Das ungewöhnlichste Saxophon-Solo, wenn nicht in der Musik-, so doch sicher in der Medizingeschichte, fand kürzlich in einem OP-Saal der Universität Rochester statt. Neurochirurgen baten den Patienten, ihnen ein koreanisches Volkslied vorzuspielen, während sie einen Tumor aus dem rechten Temporallappen seines Gehirns entfernten.

Der angehende Musiklehrer hatte im Alter von 25 Jahren Halluzinationen entwickelt, die von Schwindelgefühlen und Übelkeit begleitet wurden. Eine Computertomographie klärte relativ schnell die Ursache. Die Neurologen diagnostizierten einen Tumor im rechten Gyrus temporalis superior des Schläfenlappens. Die gute Nachricht war, dass der Tumor gutartig war und leicht in einer Operation entfernt werden konnte. 

Die schlechte Nachricht war, dass sich der Tumor in einer Region befand, die für die Musikalität von zentraler Bedeutung ist. Patienten mit einem Schlaganfall in dieser Region verlieren die Fähigkeit zum Musizieren. Sie sind beispielsweise nicht mehr in der Lage, eine Melodie, die sie gerade gehört haben, korrekt wiederzugeben.

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Dieses Schicksal wollte das Team um den Neurochirurgen Web Pilcher vom Del Monte Institute for Neuroscience in Rochester dem Patienten nach Möglichkeit ersparen. Sie versuchten deshalb, die für die Musikverarbeitung zuständige Region des Temporal­hirns bei ihrem Patienten zu identifizieren. Dies geschah zunächst in einer Reihe von funktionellen Magnetresonanztomographien. Dabei wird untersucht, wie sich die Hirndurchblutung bei bestimmten Aufgaben verändert. Der Patient wurde gebeten, bei der Untersuchung bestimmte Melodien zu summen.

Dabei stellte sich heraus, dass sich die für die Musikalität wichtigen Zentren ganz in der Nähe des Tumors befanden. In diesem Fall gab es nur eine Lösung. Die Chirurgen mussten die Operation beim wachen Patienten durchführen und den genauen Ort der Musikalität während der Operation prüfen. Der Patient sollte dazu während der Opera­tion zwischenzeitig auf seinem Saxophon spielen, während die Chirurgen Stück für Stück den Hirntumor entfernten. 

Das Saxophon ist für diese Aufgaben eigentlich nicht geeignet, da der hohe Blasdruck auch den intrakraniellen Druck steigert, was die Neurochirurgen unbedingt vermeiden wollten. Zusammen mit einer Musikprofessorin der örtlichen Eastman School of Music wurde deshalb die Melodie eines koreanischen Volkslieds ausgewählt, das durch seine leisen Töne den Blas- und Hirndruck niedrig halten sollte. 

Die Musikprofessorin wurde ebenfalls zu dem ungewöhnlichen Konzert eingeladen. Sie sollte während der Operation erkennen, ob der junge Saxophonist seine Musikalität einbüßte, während die Chirurgen den Tumor langsam entfernten.

Am Ende gelang es den Chirurgen, den Tumor zu entfernen, ohne die Laufbahn des Musikers zu beenden. Der Patient hat sich innerhalb weniger Wochen von der Opera­tion erholt und ist heute wieder als Musiklehrer tätig.

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