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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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„Jamie’s Italian“: Zehn-Pence-Gebühr senkt Konsum von Süßgetränken

Donnerstag, 16. November 2017

Man darf der Restaurantkette des britischen Starkochs und Unternehmers Jamie Oliver durchaus Hintergedanken unterstellen. Die „Besteuerung“ von Süßgetränken mit zehn Pence sollte sicherlich auch Werbung für das vermeintlich gesunde Essen bei „Jamie’s Italian“ machen, auch wenn Pizza und Pasta auf der Speisekarte nicht unbedingt der traditionellen mediterranen Küche entsprechen mögen.

Doch die „Levy“ von zehn Pence, die das Restaurant im September 2015 auf alkohol­freie Süßgetränke einführte, hat die gewünschte Wirkung nicht verfehlt. Obwohl die Getränke sich nur um etwa 3,5 Prozent verteuerten, ging der Verkauf in den ersten zwölf Wochen um 11,0 Prozent zurück. Nach sechs Monaten hatte die Extragebühr ein wenig an Appeal verloren (und die zusätzlichen Warnhinweise in der Speisekarte werden jetzt vielleicht weniger beachtet). Doch der Rückgang um 9,3 Prozent im Vergleich zur Zeit vor der Besteuerung war noch signifikant (Journal of Epidemiology & Community Health 2017; doi: 10.1136/jech-2017-209947).

Ähnlich positive Erfahrungen hat die kalifornische Universitätsstadt Berkeley gemacht, wo seit März 2015 eine kommunale Steuer von einem Cent pro „Ounce“ auf Süß­geträn­ke erhoben wird. Der Konsum von Süßgetränken ging im ersten Jahr um 21 Pro­zent zurück (Am J Public Health 2016; 106: 1865–71). Anders als bei „Jamie’s Italian“, wo die Kunden seit der Warnung auch weniger Tafelwasser bestellten, hat im sonnigeren Kalifornien der Durst auf Wasser deutlich zugenommen.

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Auch in Mexiko hat sich die Einführung einer Sondersteuer auf zuckerhaltige Getränke von einem Peso (rund fünf Cent) ausgezahlt. Im ersten Jahr ging der Verkauf von Süß­getränken um zwölf Prozent zurück. Im gleichen Zug stieg der jährliche Verbrauch von steuerfreien Getränken wie Wasser um vier Prozent (BMJ 2016; 352: h6704).

Damit dürfte feststehen, dass negative finanzielle Anreize bei den Konsumenten ihre Wirkung nicht verfehlen. Ähnlich wie die Tabaksteuer könnte durch eine Zuckersteuer der Konsum der gesundheitsschädlichen Getränke reguliert werden. Dies dürfte auch in Deutschland funktionieren.

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