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Global Health

Hunger

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Hunger ist unzeitgemäß, denn die Leistungsfähigkeit moderner Agrarwirtschaften ist so groß, dass weltweit mehr Nahrungsmittel produziert werden als alle Menschen benötigen, um ausreichend und ausgewogen ernährt zu werden. Es gibt sogar noch Potenzial, die Erträge für den zu erwartenden Anstieg der Weltbevölkerung zu vergrößern. In den wohlhabenden Gesellschaften wird viel zu viel Fleisch produziert und konsumiert. Für die Fleischproduktion wiederum werden große Agrarflächen benötigt, die mit einem größerem Netto-Energiegewinn für die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel genutzt werden könnten. Viel mehr als ein technisches Problem ist der Mangel von Nahrungsmitteln also ein organisatorisches Problem und ein Verteilungs­problem. Hunger ist unzeitgemäß, denn es ist unfair, wenn einige zu viel von etwas haben, das anderen fehlt und das die anderen zum (über)leben dringend benötigen.

So sollten die aktuellen Zahlen zur Ernährung der Weltbevölkerung eigentlich nicht verwundern, aber aufrütteln und zum Handeln zwingen. Während die Zahl der unterernährten Menschen von einem Höhepunkt im Jahr 2003 mit mehr als 900 Millionen Menschen bis auf eine Zahl von 775 Millionen Menschen im Jahr 2013 stetig gefallen ist, steigt diese seither, zunächst langsam, nun deutlicher wieder an. Im Jahr 2016 waren weltweit geschätzt 815 Millionen Menschen unterernährt! Parallel zum Anstieg der absoluten Zahl unterernährter Menschen stieg im vergangenen Jahr auch erstmals wieder die weltweite Prävalenz von Unterernährung auf zuletzt 11 Prozent. Es überrascht nicht, dass ein Großteil dieser Menschen in Afrika südlich der Sahara lebt. Dort wurde eine Prävalenz von 22,7 Prozent ermittelt!

Schon auf den ersten Blick ist dies ein alarmierender Befund, jedoch erst bei genauer Betrachtung zeigen sich das wahre Ausmaß und der Ernst der Lage. In ihrem jährlichen ‚Bericht zur Situation der Nahrungssicherheit und Ernährung der Welt‘ erheben FAO, IFAD, WFP, UNICEF und WHO gemeinsam einen genauen Befund zur Situation von Nahrungssicherheit sowie zur Unter- und Fehlernährung der Weltbevölkerung. In der Analyse der Ursachen und der Zusammenhänge zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Konflikten, Gewalt sowie Auswirkungen des Klimawandels und der Verbreitung von Hunger. Konflikte und Gewalt haben direkt zur Folge, dass Menschen Hunger leiden, umgekehrt aber führen Hungersnöte auch zur Ausbreitung von Gewalt und Krisen. Die Folgen des Klimawandels, insbesondere Dürren oder Überflutungen, die vermehrt im Zusammenhang mit dem El Niño Phänomen auftreten, haben wiederum Auswirkungen auf Krisen und Konflikte und sie haben Fluchtbewegungen zur Folge. Aus all diesen miteinander eng verbundenen Ursachen und Folgen entwickelt sich ein eng verwobener Komplex aus Krieg und Gewalt, Klimawandel, Hunger, Flucht und Migration.

In den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG), die die UN-Mitglieder im September 2015 auf dem UNO-Nachhaltigkeitsgipfel verabschiedeten (Blog-Eintrag vom 25.09.2017) wird als zweites Ziel formuliert, den weitweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden und allen Menschen, besonders auch Kindern, den Zugang zu sicherer, nahrhafter und ausreichender Ernährung das ganze Jahr hindurch zu ermöglichen (Ziel 2.1) und dabei alle Formen von Fehlernährung zu beenden (Zeil 2.2). Wir sind mindestens 815 Millionen Menschen von diesem Ziel entfernt – dies sind zehnmal so viele Menschen wie in Deutschland leben!

Der ‚Bericht zur Situation der Nahrungssicherheit und Ernährung der Welt‘ zeigt klar auf, dass dieses Entwicklungsziel nicht losgelöst von anderen Zielen erreicht werden kann. Hunger ist nicht allein ein agrartechnisches Problem, er ist nicht allein ein Armutsproblem, er ist nicht allein ein Kriegs-, Gewalt- oder Klimaproblem, sondern alles zusammen. Hunger lässt sich nur gemeinsam und koordiniert mit Maßnahmen gegen den weiteren Klimawandel bekämpfen, mit nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung und mit Friedenspolitik. Ohne diese Maßnahmen werden wir 2030 erschrocken oder ernüchtert aufblicken und uns wundern, warum noch immer Millionen Menschen hungern, warum Dürren sich ausbreiten und Kriege wüten.

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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